AEOM - Jessica Merger (der Roman ;O) )

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RespawnLARPer
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AEOM - Jessica Merger (der Roman ;O) )

Beitragvon RespawnLARPer » Di 16. Feb 2016, 11:02

ALL EYES ON ME
LARP 29.12.2013 – 01.01.2014
Erzählung aus der Sicht des Charakters „Jessica Merger“ von Stefanie Winkler


Bild


Prolog:
Jessica hatte den ganzen Tag auf den Beinen gestanden. Die Kosmetik-Messe war sehr gut gelaufen und ihre neueste Produktreihe „Camouflage“ erfolgreich bei den Fachbesuchern angekommen.
Ab Januar sollten auch die neuen Artikel ihrer Produktpalette im Teleshopping erhältlich sein.
Ihr Terminkalender war in den nächsten Tagen zum bersten gefüllt mit Interviews für Zeitung und Radio. Doch nun ging es erst einmal zu einer Aufzeichnung für das Fernsehen, wie Jessica ihr Management verstanden hatte. „All eyes on me“ hiess das Unterhaltungsformat. Das bedeutete gute Promotion für ihre aktuellen Produkte, aber vor allem auch für das neue Camouflage-Make-up. Ihr war es schon lange ein Anliegen Frauen, aber auch Männern mit Hautanomalien oder Verbrennungen ein gut deckendes und wischfestes Make-up zur Hand geben zu können, um ein nahezu normales Leben in der Öffentlichkeit zu ermöglichen.
Die Idee dazu war wohl in der Zeit geboren, als sie täglich ihren, im Koma liegenden Mann, im Krankenhaus besuchte. Doch damals waren zunächst ihre Pläne für eine eigene Kosmetiklinie zurück getreten, denn ihre Aufmerksamkeit lag voll und ganz auf der Hoffnung, dass ihr Mann wieder aufwachen würde. Es sollte nur ein harmloser Routineeingriff sein, hiess es. Die Gallenblase musste entfernt werden. Doch dabei ging etwas schief und sein Herz setzte aus. Er konnte daraufhin reanimiert werden, doch er lag über ein Jahr im Koma, bis es zu Kammerflimmern und schliesslich Herzstillstand kam. Diesmal konnte man ihn nicht mehr zurück holen und er war von seinem langen Leid erlöst.
In der Zwischenzeit hatte sich die Exfrau ihres Mannes sämtliches Vermögen mit Hilfe von dubiosen Anwälten an sich gerissen und Jessica stand fast mit Nichts da. Abgesehen von dem Kosmetik-Salon, den sie von ihrem Mann zum Hochzeitstag geschenkt bekommen hatte. Diesen verkaufte sie schweren Herzens und konnte damit die meisten Schulden abbezahlen. Nach einer Zeit der Trauer und Fassungslosigkeit, raffte sie sich auf und steckte das verbliebene Geld in die Entwicklung ihrer eigenen Kosmetiklinie.
Nach sechs Jahren stand sie nun hier; eine erfolgreiche Geschäftsfrau, deren Name „JessicaM“ für glamouröse Naturkosmetik stand, welche über Teleshopping erhältlich war. Paul wäre stolz auf sie gewesen, der zu Lebzeiten ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann war.



Tag1 – Das Spiel beginnt:
Jessica war plötzlich von Dunkelheit umgeben; verwirrt und durcheinander redende Menschen um sie herum und eine Stimme aus dem 'Off', die etwas von „Kandidaten – sucht die Taschenlampe“ redete und noch irgendwas, das in dem Stimmgewirr unterging.
War sie schon in der Show? Völliger Filmriss... Sie wusste noch, dass sie vom Flughafen abgeholt worden war... Manchmal war sie in Gedanken ja so sehr mit neuen Ideen beschäftigt, dass sie alles um sich herum vergass, aber sowas hatte sie noch nicht erlebt.
Sei`s drum. Sie war in der Show; das rote Aufnahmesignal einer Kamera an der Decke signalisierte, dass sie aufzeichnete. Jetzt hiess es Professionalität und sich nicht anmerken lassen, dass sie wohl am Vorabend zu tief in`s Glas gesehen hatte.
Also in völliger Dunkelheit mit ihr komplett unbekannten Menschen nach einer Taschenlampe suchen. Offenbar standen sie in einem kleinen Zimmer mit Stockbetten. Jessica hatte in ihrer Handtasche zwar immer eine mit Swarovskisteinen besetzte Taschenlampe griffbereit, aber die versagte ihr ausgerechnet jetzt den Dienst... teurer Müll!
Endlich hatte jemand eine funktionierende Taschenlampe gefunden und nun sollte jeder seinen Umschlag öffnen, der mit dem jeweiligen Namen
gekennzeichnet war. Darin war ein Namensschild (mit einem hässlichen Fleck auf der Rückseite) zum anstecken und ein Willkommensschreiben mit dem Wortlaut:

Kandidat Jessica!
Willkommen bei AEOM-all eyes on me!
Bist du dir selbst gewachsen?
Nur wer die Angst besiegen kann, wird gewinnen.
Und nur, wer sich zu helfen weiß, wird das Ziel erreichen. Hier gibt es nichts geschenkt.
Sei schlau und sei bereit – das Spiel beginnt

JETZT

„Jetzt“ war Jessica verwirrt. Wo hatte ihr Management sie Teufel noch eins hingeschickt?! Sie dachte es würde sich um eine normale Talkshow handeln! Erst ein gemütliches Abendessen mit den Produzenten der Show. Am nächsten Tag durchsprechen der Fragen und des Ablaufes der Sendung; ihre Produkte aufbauen und darauf achten, dass diese auch korrekt ausgeleuchtet werden etc. und dann natürlich die Aufzeichnung.
Von einer Spielshow war nie die Rede... Sie hatte aber auch nicht nachgefragt, worum es sich genau handeln würde. Grober Fehler... sie war doch eigentlich kein Anfänger bei sowas, aber wohl einfach zu sehr im Stress gewesen die letzten Tage, dass sie ihr Programm nur noch wie ferngesteuert durchgezogen hat.
Nun forderte die Stimme aus dem Off, dass sich alle im Aufenthaltsraum im ersten Stock versammeln sollten. Die Tür ihres Zimmers öffnete sich wie
von Geisterhand und gab den Weg zum, ebenfalls kameraüberwachten, Treppenhaus frei. Es gab jetzt auch wieder Licht und Jessica hatte die Gelegenheit einen ersten Blick auf die anderen Kandidaten, mit denen sie wohl ein (schäbiges...) Zimmer teilte, zu werfen. Drei abgerissene Gestalten; einer Schlimmer als der Andere... Jan, Heiko und Svenja, wenn sie die Namen richtig erkannte. Jan war eher unscheinbar; Heiko stank zum Himmel und Svenja schmückte sich mit einem Nasenring und grauenvoll schlecht gestochener Tätowierung... aber da war auch ein halbwegs passabler Mann mit aufrechter Körperhaltung (Richard - ein Politiker, wie sich später raus stellte, aber noch dringend nachholbedarf im Kleidungsstil brauchte...) und eine junge Frau aus wohl gutem Hause stammend; ihres Zeichens It-Girl und Schmuckdesignerin (und Fan von Jessicas Produkten, was sie natürlich in dem ganzen Haufen am sympathischten machte!).
Im Aufenthaltsraum wurde es aber noch schlimmer... Bunt gemischter konnten die Kandidaten wohl kaum sein. Punks; Gothics; Schlägertypen; ein schmieriger Typ mit wiederlichen Anmachsprüchen; unscheinbare Gestalten und ein paar wenige Anwesenden ihres Niveaus, die sich korrekt zu Kleiden wussten und angenehme Umgangsformen pflegten. Wie dieser Immobilienmakler, der ihr aber bald suspekt vor kam. Zu jedem Thema wusste er etwas zu erzählen und kannte wichtige Persönlichkeiten. Irgendwie kam es ihr bald vor, dass da meist nur heisse Luft dahinter war und liess ihn einfach reden. Abgesehen davon war viel wichtiger, dass sie eine Person in dem Haufen erspähte, die ihr bekannt vor kam und ihr etwas das Blut in den Adern gefrieren liess. Das konnte nicht möglich sein! Warum sollte diese Frau ausgerechnet bei dieser Spielshow auftauchen?! Jessica ging ihr zunächst aus dem Weg und hoffte sich zu irren, doch auf dem Namensschild stand eindeutig Margit... Sie irrte sich nicht... Aber vielleicht erkannte Margit sie ja nicht?
Wieder die Stimme aus dem Off, die den Kandidaten eine Aufgabe stellte. Eine Aperatur im Aufenthaltsraum sollte am Laufen gehalten werden. Ein mit wohl Wasser gefüllter Metallbehälter, aus dem ein Rohr mit einem Sperrventil und Wasserhahn mündete. Von dort tropfte das Wasser in einen Trichter durch einen gewundenen Schlauch in einen weiteren Metallbehälter. Es galt zu verhindern, dass der obere Metallbehälter leer lief, ohne die Aperatur zu manipulieren. Also Wasser schöpfen...
Jessica und Larissa waren sich einig, dass das keine Aufgabe für sie war. Allerdings schafften sie es nicht, sich darum zu drücken auf die Einteilungsliste gesetzt zu werden und sollten um 10 Uhr am nächsten Morgen dran sein. Daraufhin beschlossen sie einfach jemanden für den Job zu bezahlen. Es gab ja genug Leute, die so aussahen, als würden sie für 50 Euro eine einstündige Schicht übernehmen (von so einem Stundenlohn wagten sie sonst wohl nicht mal zu träumen...). Zwei Kandidaten waren damit schnell gefunden, die für Geld bereit waren eine Extraschicht einzulegen, während Larissa und Jessica triumphierten und sich wieder den wichtigen Dingen des Lebens zuwenden konnten. Als da wären: Taschendesigns, Schmuck und Kosmetik, sowie Larissas „HUGO in der Dose“ für die Handtasche. Eine grandiose Marktlücke, die sie da aufgetan hat, das musste Jessica schon zugeben, wenngleich sie selbst selten Alkohol trank. Das war nicht gut für das Hautbild und begünstigt nur die Bildung von unschönen Falten.
Aus heiterem Himmel wurde ein Punktestand verkündet und Jessica hatte überhaupt keine Ahnung wieso sie nun 8 Punkte hatte; Andere 0 Punkte und wieder Andere 12 oder mehr Punkte. Aber sie beschloss sich darüber erst mal nicht den Kopf zu zerbrechen, denn es galt einen gewissen Thorsten auf Abstand zu halten, dem sie ebenfalls Geld geboten hatte, um die Aperatur für sie am Laufen zu halten. Das Geld lehnte er ab, denn er hatte eine andere Art von Bezahlung im Sinn, während er sie mit Blicken bereits auszog.... Der Mann widerte sie an. Unter Garantie würde sie sich nicht von ihm auch nur anfassen lassen. Schon garnicht vor laufenden Kameras! (Die im übrigen sogar in den Toiletten- und Duschräumen angebracht waren...) War ihr verstorbener Paul denn der einzigste intelligente, gebildete und galante Mann, der ihr in ihrem Leben begegnet war?
Bald wurden die Kandidaten nacheinander in`s Sprechzimmer gerufen und interviewt. In Jessicas Fall war es ein sehr kurzes Interview. Am meisten irritierte sie die Frage: „Kandidat Jessica – warum bist Du hier?“
Warum wohl? Weil ihr Management ihr gesagt hat, dass sie zu einer Talkshow eingeladen war?! Und von einer Talkshow war sie auch ausgegangen. Aber da sie ja nun in einer Spielshow gelandet war, sollte es ihr auch recht sein. Hauptsache Promotion für ihre Produkte. Sie würde in jedem Fall dadurch gewinnen, ob sie nun das Spiel gewann oder nicht.
Mehr wurde sie auch nicht gefragt, was Jessica sehr enttäuschend fand. Wollte sie doch ihre Produkte vorstellen. Aber keine einzige Frage hierzu.

Dann hiess es plötzlich „Annehmlichkeit Eins wurde gestrichen – Kein Fleisch zum Abendessen!“
Bitte was?! Wieso das denn???
Irgendein Witzbold war wohl auf die Idee gekommen eine Kamera zu verhängen und das wurde kollektiv bestraft...

Frustriert von dem Interview und dem gekürzten Abendessen brauchte sie etwas Ablenkung und traf auf Larissa. Das war DIE Gelegenheit ihr endlich ihre neuen Produkte vorzuführen und damit auch der Kamera unter die "Nase" zu halten.
Larissa war gleich Feuer und Flamme die neuesten JessicaM-Produkte in Händen halten zu dürfen.
Im Zimmer angekommen kramte Jessica in ihrem Musterkoffer nach der Camouflage-Testpalette. In dem Moment, als sie das Spezial-Makeup in Händen hielt, fiel ihr Blick durch Zufall auf den Adventskalender an der Wand und ihre Gesichtszüge froren schlagartig ein... WAS IST DENN DAS?! entfuhr es ihr.
Larissa folgte verwirrt ihrem Blick und erstarrte ebenso. Hinter jedem der 24 Türchen waren grausame Bilder von Unfällen, Entstellungen, Beschneidung, Bondage und andrere Dinge, vor denen sich der
Geist zu verschliessen suchte.
Bald wurde das Clownszimmer zum wahren Pilgerort. Nahezu jeder Kandidat aus dem Hause warf einen Blick auf den Kalender.
Jessica war jedenfalls der Apetit auf Fleisch vergangen und so machte es ihr auch nichts aus, dass Annehmlichkeit Eins gestrichen worden war...

Das kantinenmässige Abendessen (ohne Fleisch...) erinnerte sie an ihre Kindheit, da sie aus eher ärmlichen Verhältnissen stammte. Bis Paul ihr in dem Friseursalon begegnet war, in dem sie ihre Ausbildung machte und sie in eine Welt aus Glanz und Glamour führte. Lange war sie nur seine Geliebte, aber dann trennte er sich endlich von seiner Frau und ehelichte Jessica. Der glücklichste Tag in ihrem Leben!
Ihre Herkunft war ihr peinlich und sie verlor desshalb auch nie ein Wort darüber, auch wenn Paul immer wieder betonte, dass es ihr nicht peinlich zu sein braucht...
Ihre Grosseltern, bei denen sie aufgewachsen war, waren schon lange gestorben und ihre Eltern, die nie Zeit für sie hatten, weil sie Überstunden machen mussten, um irgendwie über die Runden zu kommen, hatten ebenfalls ihre prunkvolle Hochzeit nicht mehr miterlebt. Vater zu tode gesoffen und Mutter an Lungenkrebs gestorben, weil sie die Finger von ihren heiß geliebten Kippen nicht lassen konnte.
Nachdem Jessica also ihr spärliches Abendessen runter gewürgt hatte und die Kindheitserinnerungen versuchte abzuschütteln, sollten sich alle Kandidaten wieder im Aufenthaltsraum zum ersten Spiel einfinden.
Überall waren am Boden Bilder verteilt, die mit einer wiederlichen gelb/roten Pampe verkleistert waren. Nun sollten die Kandidaten sich in Vierergruppen zusammen finden und Jessica schloss sich natürlich der Gruppe mit Larissa, der Schmuckdesignerin zusammen. Zu spät bemerkte sie Margit, die ebenfalls in der Gruppe war. Sie hoffte noch immer, dass sie sich irrte und sie nicht jene Krankenschwester war, der sie noch für ihre Dienste 50.000 Euro schuldete. Das Geld wäre jetzt ja kein Problem; nur die Tatsache, dass sie 6 Jahre vergessen, oder besser verdrängt hatte zu zahlen, dürfte Margit wohl quer im Magen liegen...
In einer knappen Unterhaltung, die den Umstehenden (und den Mikros im Raum) nicht zu viel verriet, war geklärt, dass sie sich kannten und dass sie nach der Spielshow noch etwas privates zu besprechen hätten.
Zunächst jedoch sollte jemanden aus der Vierergruppe die Hände auf dem Rücken zusammengebunden werden, um dann mit der Zunge drei der Bilder frei zu lecken. Die Anderen der Gruppe sollten die Personen auf den Bildern dann identifizieren.
Na Mahlzeit... dachte sich Jessica. Sie hatte schon gegessen und ganz sicher würde sie sich ihr teures Designer-Kleid nicht ruinieren. Ähnlich dachte wohl auch Larissa, die ganz angewiedert war, als die erste Gruppe begann und es in eine riesen Sauerei ausartete...
Bei den Bildern handelte es sich um Darsteller aus Horrorfilmen. Ganz Klasse... Jessica war der Ansicht nicht Einen dieser Gestalten zu erkennen und damit könnte man sich ohnehin die Erniedrigung ersparen hier mitzumachen, denn die Anderen aus ihrer Gruppe waren in diesem Genre nicht viel besser bewandert...
Als der Immobilienmakler vornüber in die wiederliche Pampe fiel, drehte sich Jessica der Magen um. Fremdschämen hoch Zehn....
Nun war Margit an der Reihe, die sich für die „Drecksarbeit“ freiwillig gemeldet hatte. Larissa und Jessica waren einer Meinung, dass sie das nicht tun müsste. Die vierte im Bunde, deren Namen sie sich nie gemerkt hatte, aber wohl sehr still und vor allem religiös war, war entweder nicht zu hören, oder sagte nichts dazu. Völlig unerwartet erkannte Jessica sogar eines der Bilder. „Das ist doch dieser Clown... dieses Ding „ES“ von Stephen King!“.
Erleichterung, als ein „Korrekt“ aus dem 'Off' erklang.
Eigentlich hatte sie mehr drauf los geraten, als sie das Gesicht eines Clowns sah. „ES“ war bereits ein Thema in ihrem Zimmer gewesen, denn dieses war mit jede Menger Clowns dekoriert... Ihr Glück, dass jemand „ES“ bei dem Anblick des Zimmers gemurmelt hatte und von Stephen King erzählte. Das gab jetzt Punkte auf ihrem Konto.
Die anderen beiden Gesichter erkannte niemand aus ihrer Gruppe. Keine weiteren Punkte...

Dieses Spiel war vorerst beendet und an diesem Abend würden wohl auch keine weiteren Spiele mehr folgen. Margit ging sich säubern, während Larissa und Jessica es sich auf der Couch gemütlich machten und den Anderen zusahen, wie sie die Schweinerei aufräumten.
Sie unterhielten sich gerade mit Mr. Wichtig (der Immobilienmakler), als Larissa sich plötzlich in Jessicas Arm verkrallte und entsetzt an ihr vorbei zum Fenster hinaus sah. Verwirrt und alarmiert drehte sich Jessica um und erschrack zunächst auch, weil sie eine weisse Maske anstarrte, die ihr aus irgend einem Film her bekannt vor kam. Dann hatte sie sich schnell wieder gefangen und versuchte Larissa zu beruhigen. Ihrer Meinung nach, waren das nur Statisten, die auf sehr plumpe Weise versuchten ihnen Angst einzujagen. Um Angst ging es doch bei dem Spiel. Und eben sollten sie Horror-Fratzen auf den Bildern identifizieren und nun tauchten welche am Fenster auf...
Larissa erzählt, dass sie mit 13 von maskierten Männern entführt worden war; es stand damals auch in allen Zeitungen. Nun, das erklärte ihre Panik und lag wohl in der Absicht der Regie darauf anzulegen, um den Zuschauern was zu bieten. Geschmacklos, wie Jessica fand...

Es war schon spät und nachdem Larissa sich wieder beruhigt hatte, beschloss Jessica sich schlafen zu legen. Doch die Nacht würde kurz sein musste sie bald feststellen....



Die erste Nacht - Spiel mir das Lied vom Tod
Wirklich schlafen konnte Jessica nicht. Zu aufgewühlt war sie von dem seltsamen Spiel. Warum tat sie sich das hier überhaupt an? Sie machte sich hier doch nur zum Gespött! Gleich nach dem Frühstück würde sie abreisen! Jawohl!
Ein lauter Schrei von dem Penner Heiko im Stockbett unter ihr riss sie aus dem Halbschlaf. Da war noch eine Gestalt im Zimmer, aber bei der Dunkelheit konnte sie nicht erkennen wer. Zu klein jedenfalls, um einer der Kandidaten zu sein. Heiko prabbelte was von verbrannt und grauenhaft... Er benahm sich wie ein kleines Baby...
Ausser Heiko und ihr selbst hatte sich noch niemand schlafen gelegt und auf dem Gang gab es plötzlich lautes Gekreische, als die Gestalt aus dem „Clownszimmer“ wandelte und die Treppe nach oben nahm, wo sich weitere Schlafzimmer, sowie der Aufenthaltsraum befanden.
Jessica verstand das Gekreische nicht... Es war doch alles nur Show hier... Ein unterbezahlter Statist, der hier mitten in der Nacht durch die Flure wanderte...
Vorbei war es mit dem Schlaf finden... Es fanden sich eine aufgewühlte Larissa und ein noch aufgewühlterer Jan (seines Zeichens Apotheker) im Zimmer ein. Jan jammerte ständig was von seiner Frau die verbrannt war. Na das passte doch... Larissa sah maskierte Männer; Jan eine wandelnde, verkohlte Leiche... Die spielen nur mit unseren Ängsten! Das sind nur Effekte! Versuchte Jessica die Beiden wieder auf den Boden der Tatsachen zu bringen. Nur eine leise Stimme in ihrem Inneren fragte sich, mit welchen Ängsten diese Show bei ihr wohl spielen will? Ihr fiel nichts ein.
Jan verliess plötzlich das Zimmer. Vielleicht, um das verkohlte Ding zu finden? Jessica wollte sich wieder hin legen, als eine Spieluhr ertönte.
Die Gestalt wandelte wieder durchs Zimmer; hielt eine Spieluhr in der Hand, deren Kurbel sie drehte und setzte sich auf Jan`s Bett.
Die Maske war nicht schlecht, das musste Jessica schon eingestehen. Von Kopf bis Fuss verbrannte Haut und nur vereinzelte Haarbüschel am Kopf.
Das war bestimmt ein Maskenbildner, der im StanWinston-Studio in die Lehre gegangen war.
Larissa bekam wieder eine Panikattacke und heulte, dass es sich bloss nicht auf ihr Bett setzen sollte.
Jessica war genervt... Sie brauchte ihren Schönheitsschlaf und daran war hier wohl nicht zu denken. Pampig meinte sie dann nur zu Larissa, dass sie sich nicht so anstellen solle. Läuse wird sie ja wohl kaum haben!
Und zu dem Statisten gewandt meinte sie nur, sie solle sich mal eine Pause gönnen, wir haben genug von dem Spieluhrgedudel!
Aber die Gestalt war hartknäckig und nahm ihren Job wohl sehr ernst und drehte und drehte die Kurbel der Spieluhr...
„Wenn das hier ein Marketinggag sein soll für meine Camouflage-Kosmetik, dann schwör ich Euch werden Köpfe rollen für diese Geschmacklosigkeit!“ schimpfte Jessica zur Kamera hinauf.
Endlich ging die verkohlte Gestalt wieder. Wohl in den Speisesaal, denn irgendjemand meinte, sie würde dort auf dem Tisch sitzen.
Na dann gibt es zum Frühstück wenigstens Bacon, grummelte Jessica und mummelte sich wieder in ihr Bett.
War jetzt an Schlaf zu denken? Oh nein..., denn nun ging das Gejammere wegen Jans Frau wieder los, die seinetwegen in den Flammen umgekommen war. Irgendwas von Kindbettpsychose; Seine Frau hätte die gemeinsame 4 Monate alte Tochter umbringen wollen, weil sie Böse sei! Nein... nicht umbringen; er nannte es „zurück schicken“. Seine Tochter „Maya“ wäre Böse; das hätte seine Frau immer gesagt. Und er glaubt Maya hätte seine Frau in Brand gesteckt, die aus dem abgesperrten Zimmer nicht mehr raus kam. Klar... ein 4 Monate altes Kind...
War sie hier denn im Irrenhaus??? In selbiges hätte Jan seine Frau jedenfalls am nächsten Tag bringen wollen, als dann jedoch das Feuer ausbrach.
Seine Tochter hatte er danach zur Adoption freigegeben. Das war nun 18 Jahre her?
Oh wie schön... und da lag plötzlich ein „Happy Birthday“-Banner am Boden... und wieder Gejammer...
Eine der Kandidatinnen im Nebenzimmer hatte wohl ihren 18. Geburtstag und feierte ausgelassen, trotz Miss Bacon, die durch die Flure wanderte.
Heiko stimmte in das Gejammer mit ein, als er ein Bild mit einem Hund im Zimmer entdeckte und daraufhin von seinem Hund „Franny“ erzählte. Der Köter war wohl verschwunden, als Heiko in die Unterkunft zurück kehrte. Das erzählte er so oft, dass Jessica die Worte Unterkunft und Franny nicht mehr hören konnte...
Den Rest der Nacht war es dann aber ruhiger, doch Jessica konnte nicht mehr wirklich Schlaf finden. Und dann noch dieses Gekläffe in aller herrgottsfrüh! Was zum Teufel war das nun wieder?
Ein kleiner, verdreckter Köter, dessen Hirn aus der geöffneten Schädeldecke quoll torkelte mechanisch durch das Zimmer und kläffte, woraufhin das „Franny“-Gejammer gleich wieder einsetzte.
„Herr! Lass Hirn vom Himmel regnen, oder Steine! Hauptsache Du triffst...“, ging es Jessica dazu nur durch den Kopf.
Richard (der SPDler), schien der einzigste im Raum zu sein, der wie Jessica die Nerven behielt und ebenfalls der Meinung war, dass es sich um Spezialeffekte handelte.
Die Tattoo-Tante konnte Jessica nicht einschätzen. Die schien generell auf Stress aus zu sein und ihr Umfeld egal.
Achja... und das Bild der Frau mit dem Kind im Arm, über Jans Bett, hatte sich über Nacht verändert. (Nicht zum Positiven...)
Ergebnis: Noch mehr Gejammer und grenzenloses Selbstmitleid!
Auch andere Bilder waren von der seltsamen Veränderung betroffen, aber Jessica wollte erstmal nur noch in`s Bad. Nun aber hatte sie Grund zum Jammern... Schon belegt! Also entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit im Morgenmantel erstmal frühstücken und dann auf ein freies Badezimmer hoffen.


2.Tag – Wie Du mir, so ich ihm...:

to be continued

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Beitragvon RespawnLARPer » Di 16. Feb 2016, 11:02

2.Tag – Wie Du mir, so ich ihm...:
Das Frühstück war ganz in Ordnung, so lang man seine Finger von den seltsamen Frühstückseiern ließ...
Diese verfault zu nennen, wäre wohl noch geschmeichelt gewesen... Das Eiweiss war kohlrabenschwarz und überzogen
mit feinen Kristallen, die wie Eisblumen wirkten. Das Eigelb hatte ein dreckiges, dunkles Grün/Grau/Schwarz angenommen und
gestunken hat das Ganze nach Ammoniak. Trotzdem biss Thorsten einmal herzhaft hinein und beschloss, dass es nicht seinen Geschmack
traf... Jessica drehte sich bei dem Anblick der Magen um! Es wurde Zeit für eine Dusche...
Das Bad war endlich frei, doch die Dusche mied sie, als sie bemerkte, dass die Kamera an der Decke vorranging diese im
Visier hatte. Gelegentlich schwenkte sie auch zur Toilette, aber vom Winkel her dürfte beim täglichen Geschäft wohl nur der Kopf zu sehen
sein. Das Waschbecken allerdings lag nicht im Blickfeld der Kamera. Also wusch sich Jessica am Waschbecken.
Nachdem sie sich in ihr neuestes Designer-Kleid gezwängt hatte, kehrte sie in das schäbige Zimmer zurück, um ihr Tages-Make-up aufzulegen.
Hier war natürlich immernoch grosses kollektives Gejammer angesagt und die meisten Leute (mit Ausnahme von Larissa) hielten es wohl
nicht für nötig sich umzuziehen. Das käme für Jessica ja nicht in Frage die Kleidung vom Vortag nochmal zu tragen... Und Heikos Kleidung
war wohl schon weit länger nicht mehr gewechselt, geschweige denn gewaschen worden...
Nachdem Jessica eine knappe Stunde später mit ihrem Make-up fertig war, und mit halben Ohr den Anderen zugehört hatte, wusste sie nun auch,
dass Svenjas Schwester bei einem Kinobrand um`s Leben gekommen war. Brandstiftung... Allmählich wurde auch klar, dass jeder mindestens einen der anderen Kandidaten kannte und sie fingen an aufzuschreiben, wer mit wem zusammen hing. Dann wurde Jessica gefragt, ob sie hier jemanden kennen würde.
Jessicas erster Impuls war das zu verneinen. Aber die Regie wusste mit Sicherheit, dass sie Margit aus dem Krankenhaus kannte, sonst wäre sie nicht hier. Das wäre schon ein zu grosser Zufall. Abgesehen davon hatten Einige am Vorabend ohnehin mitbekommen, dass die Beiden sich kannten.
Also war wohl die bessere Taktik so nah wie möglich an der Wahrheit zu bleiben, ohne zu viel zu verraten. Sie räumte also ein Margit flüchtig
vom sehen her zu kennen. Margit war damals als Krankenschwester in selbigen Krankenhaus beschäftigt, in dem Jessicas Mann im Koma lag.
Nun aber fingen die Anderen an zu bohren, was mit ihrem Mann denn gewesen sei und warum er starb. Sie hätte besser nichts sagen sollen... Klar, dass nach den ganzen verrückten Dingen hier die Anderen hinter dem Tod von Paul, mehr als nur einen tragischen und natürlichen Tod vermuteten.
Jessica erklärte, dass ihr Mann 25 Jahre älter war als sie und man ihr keine grosse Hoffnung mehr gemacht hatte, dass er überhaupt wieder aus dem Koma aufwacht. Es gab jeden Tag die Angst, dass sein Herz einfach aufhören würde zu schlagen, oder er eine Lungenentzündung bekam und diese nicht überstehen...
Jessica wollte nicht weinen, denn sie wusste ja, was der wirkliche Grund von Pauls versterben war. Aber für einen Moment war sie wieder in die Zeit zurück versetzt, wo sie krank vor Sorge um ihren Mann war und jeden Tag an seinem Bett ausgeharrt hatte, bis ihr die Dinge über den Kopf wuchsen...
Larissa eilte zu ihr und versuchte sie zu trösten. Das tat gut. In all den Jahren war niemand da, der sie getröstet hatte. Man hatte ihr immer nur Knüppel zwischen die Beine geworfen... vor allem Roswitha, das Miststück! Aber irgendwann war Jessica einfach nur noch die erfolgreiche Geschäftsfrau, die über allen Dingen stand und die Vergangenheit hinter sich gelassen hat. Bis jetzt...

Jessica betrachtete ihren zusammengepackten Musterkoffer und wurde nachdenklich. Wenn sie hier war, weil irgendjemand wusste, dass sie Margit darum gebeten hatte ihren Mann von seinem Leid zu erlösen... sollte sie dann nicht besser hier bleiben und sehen, wieviel man wirklich darüber wusste? Wer auch immer hinter dieser Show steckte? Vielleicht sogar Margit selbst, um sich an Jessica wegen der versäumten Bezahlung zu rächen? Sie hatte damals den Eindruck gemacht das Geld ganz dringend zu benötigen...
Jessica hatte sich endlich von ganz unten wieder nach ganz oben gearbeitet. Das wollte sie sich nicht wieder nehmen lassen!
Entschlossen klappte Jessica ihren Musterkoffer wieder auf und fing an sich auf dem Tisch häuslich einzurichten, und einen Spiegel aufzustellen, den
sie achtlos verborgen hinter der Garderobe fand. Ihre persönliche kleine Oase des Friedens und der Ruhe. Ein Stück ihrer Welt in diesem Chaos hier.
Nur der Adventskalender mit den fürchterlichen Bildern über ihrem neu eingerichteten Schminktisch störte sie. Abnehmen liess sich das verfluchte Ding nicht. Larissa schlug vor die Türchen einfach alle zu schliessen, was auch schnell gemacht war.
Jan war wieder da. Noch deprimierter als vorher (sofern das möglich war), mit neuen Erkenntnissen und Verknüpfungen. Nun wurde es wirklich
abenteuerlich... Er hatte aus der Apotheke Medikamente mitgehen lassen, die eigentlich Verschreibungspflichtig gewesen wären. Diese seiner
Frau gegeben, damit sie dem Kind nicht schaden konnte und behauptet morgen würden sie Maya „zurück schicken“, damit sich seine Frau beruhigte und schlafen legen würde. Er hatte sie gefesselt und eingeschlossen (oder sagte er Maya hätte sie eingeschlossen? Für Jessica wurde einiges zu wirr...)
Es gab das Feuer und seine Frau hatte keine Chance zu entkommen. Damit die Medikamente bei den Ermittlungen nicht entdeckt wurden entsorgte er diese in irgendeinem Anhänger an der Strasse oder sowas? Dort wiederrum fand Noah (auch einer der Kandidaten mit Punkfrisur, die eigentlich in jedem Türstock sich verfangen müsste) die Tabletten; warf sich diese ein und wurde daraufhin abhängig von dem Zeug; er wiederrum zog eine gewisse Rebecca (auch Kandidat hier) in den gleichen Sumpf, die wiederrum jemanden überfiel, um an Kohle ran zu kommen und sich noch mehr Drogen zu kaufen... Mittlerweilen war sie wohl clean und versuchte sich auch im Kosmetikgeschäft. Jessica hatte von ihr noch nie gehört und damit war sie keine ernst zu nehmende Konkurrentin mit der man sich gut stellen müsste.
Jan machte sich nun furchtbare Vorwürfe für all das Verantwortlich zu sein, gleichgültig wie oft Jessica versuchte ihm klar zu machen, dass es nicht
sein Problem ist, wenn sich jemand Tabletten einwirft, oder gar jemanden überfällt! Da ist jeder für sich selbst verantwortlich! Ist ja nicht so, dass er sich hingestellt und den Leuten eingeflüstert hat, dass die Tabletten ihnen helfen würden und alle Probleme sich in Luft auflösen.
Plötzlich öffneten sich die verfluchten Türchen von dem Adventskalender wieder, mit Ausnahme von zwei Türchen. Der 1 und der 18.
Jemand schloss die Türchen wieder, aber diese öffneten sich sogleich erneut... Nur nicht Tür 1 und 18!
Hinter den beiden Türchen waren Bilder von ausgebrannten, oder brennenden Autowracks. Schreckliche Autounfälle. Niemand konnte sich darauf
einen Reim machen und jeder überlegte, ob die Bilder, oder die Zahlen etwas mit einem zu tun hätten. Jan verblieb ohnehin lieber in seinem Selbstmitleid. Genauso wie Svenja, die alles aggresiv anging, sobald irgendwas von Brand oder Brandopfer zur Sprache kam.
Weil gerade alles so chaotisch wirr und unlogisch war, war es für Jessica auch keine grosse Überraschung, als sich heraus stellte, dass
Kandidatin „Angel“ früher einmal Maya hiess und die vor 18 Jahren zur Adoption freigegebene Tochter von Jan... Die ach so böse Maya wirkte eher zerbrechlich in ihren schwarzen, unscheinbaren Klamotten.
Eigentlich konnte das hier nur ein Unterhaltungsformat von RTLII sein... Nur deren Drehbuchautoren waren zu solch abstrusen Verkettungen fähig!
Aber was sollte dann Jessica hier? Das war keine gute PR für ihre Produkte...
Bisher gab es keine Verknüpfungen zu Margit und ihr. Dieser Thorsten wiederum schien mit überhaupt niemanden verknpüft zu sein.

10 Uhr; Im Aufenthaltsraum lief die Aperatur noch. Eigentlich wäre nun ihre Schicht, aber diese wurde wie vereinbart von Svenja und einer weiteren Person, die Larissa aufgetan hatte nun übernommen. Also machte sie es sich auf der Couch gemütlich. Hier oben war es angenehm ruhig. Niemand ergoss sich in Selbstmitleid und die Storys über Schuhe und dem Papst, die Mr.Wichtig gerade Larissa zum Besten gab, eine willkommene Abwechslung.
Die Gestalten tauchten am Fenster wieder auf, aber Jessica störte sich nicht dran. Es war gerade so schön ruhig, zumal Larissa sie nicht bemerkt zu haben schien.
Jessica sah zu, wie das Wasser vom unteren Behälter in den oberen Behälter geschöpft wurde und liess sich von dem gleichmässigen Tropfgeräusch einlullen. So viel ruhiger als in der Nacht... Vielleicht sollte man Tagsüber schlafen?
Wasser...? Drang es langsam zu ihr vor. Das Wasser war gestern noch klar! Jetzt hatte es in dem Schlauch eine eindeutig rosafarbene Färbung!
Was war passiert? Niemand konnte es ihr erklären.
Irgendwelche Algen oder Bakterien? Hoffentlich keine Legionellen! Was Mr.Wichtig zum Anlass für eine neue Geschichte nahm und von einem Neubau erzählte, in dem es in den Wasserleitungen Legionellen gab. Ein Neubau... ja klar...
Es blieb aber nicht ruhig... Richard klopfte die Wände nach geheimen Gängen ab. Andere wiederrum erzählten aufgeregt, dass sie versucht hätten die Maskierten zu berühren, die mittlerweilen auch schon in`s Haus vordrangen, aber einfach durch sie gegriffen hätten. Richards Vermutung; Holoprojektoren.
Ganz schön aufwendige Show... Aufgeregte Stimmen erzählten, dass die verbrannte Gestalt in der Nacht mit Feuer gespuckt hätte.
Na toll... Jessica hat die Feuerspuckshow verpasst... Das hier war eine Fernsehkulisse und musste damit auch strengen Feuerschutzbestimmungen stand halten. Kein Problem für einen Feuerspucker bei entsprechender Deckenhöhe, wie in dem Aufenthaltsraum... aber hier schien ja jeder, ausser Richard und Jessica, an irgendwelchen übersinnlichen Kram unbedingt festhalten zu wollen.

Die verbrannte Gestalt wandelt wieder durch`s Haus. Diesmal hatte sie Haare. Wohl in der Maske geschlampt? Jessica war es egal, die sich wieder auf ihr Zimmer zurück gezogen hatte, um ihr Makeup zu kontrollieren. Bis eben war sie hier alleine und wieder in ihre eigene Welt – ihrer Kosmetik - eingetaucht, als die Gestalt das „Clownszimmer“ betrat; seine Runde ging; am Beistelltisch stehen blieb und langsam Jan`s Einladung zur Show in die verbrannten Hände nahm. Jessica beobachtete jede einzelne Bewegung über den Spiegel, den sie in der Hand hielt, während sie so tat, als würde sie sich Fixierpuder im Gesicht verteilen.
Die Gestalt bewegte sich nicht mehr. Tatsächlich nur eine Holoprojektion und das System hatte sich gerade aufgehängt? Sarkastisch meinte Jessica nur laut zur Regie, dass sie ihr Hologramm neu booten müssten.
Irgendwann wurde es Jessica zu bunt und sie drehte sich zu der Gestalt um, die noch immer auf Jan`s Namen starrte.
„Hallo?! Reboot!“
Endlich kam wieder Bewegung in die Gestalt. Sie sah Jessica in die Augen und bewegte plötzlich die Lippen. „G I“ sagte eine dünne Stimme.
G I??? Was sollte das sein? Was soll das denn heissen?
Dann verschwand die Gestalt wieder. Jessica ging hinüber in den Speisesaal, in dem sich einige Kandidaten versammelt hatten und teilte ihnen mit, dass die neueste Marotte von dem Hologramm es sei zu sprechen. Zwei Buchstaben; G und I hätte sie verstanden. Keiner konnte zunächst was damit anfangen. Später stellte sich heraus, es hätte wohl Lilly heissen sollen. So hiess die Frau von Jan... Und bei dem Wort Lilly war es nicht geblieben. Es folgte dann auch „Feuer“ und „Maya böse“.
Die Produzenten der Show nutzen Jan´s Panik wohl bis in`s letzte aus... Begriffen die Anderen denn nicht? Es ging nur um ihre Ängste! Jessica zeigte keine Angst und damit begegneten ihr auch keine Gestalten, die daraus ihren Nährboden zogen...
Jan hatte sich irgendwo verkrochen. Sie fand ihn nicht. Es war ihr im Prinzip auch egal.
Zwischenzeitlich waren drei Kandidaten in`s Sprechzimmer gerufen worden. Auch das war Jessica egal.
Sie wollte gerade wieder den Aufenthaltsraum verlassen, als laute Hilfe-Rufe von draussen herein drangen.
Drei der Kandidaten waren unterhalb des Balkons gefesselt und es gab keine Möglichkeit zu ihnen zu kommen. Im Erdgeschoss versuchte jemand die Fenster einzuschlagen, aber erfolglos. Jemand behauptete sogar etwas von einem Kraftfeld um das Haus und den Balkon. Man käme von hier nicht weg. Das klang völlig abstrus...
Vielleicht war Jessica ja bei versteckte Kamera gelandet? Wobei so versteckt waren die Dinger ja nicht...
Man versuchte an Schuhbändern eine Schere hinunter zu lassen und einer Spaziergängerin zu signalisieren, dass man Hilfe bräuchte. Aber diese reagierte nicht. Dann plötzlich; ein Feuerwehrmann mit einer Kettensäge! Alles wurde hektisch; die Schere war herunter gelassen, aber das Seil zu dick! Panik brach aus, als der Feuerwehrmann die Kettensäge anwarf und die Spaziergängerin jagte, die kreischend davon lief, bis Beide aus dem Sichtfeld verschwanden. Nur die furchtbaren Schreie waren noch zu hören...
Jessica bekam nicht viel mit, weil sie mit ihren Schuhen den Balkon nicht betreten konnte, dessen Boden aus einem Gitter bestand und sie HighHeels trug. Anscheinend fing aber einer der Kandidaten an sich für etwas zu entschuldigen, bevor der schreckliche Feuerwehrmann mit der Kettensäge zurück kam. Es ging um Stalking oder sowas. Und für jedes Stück Wahrheit das die drei Gefesselten preis gaben, löste sich ein Stück der Fesseln, bis sie schliesslich wieder frei waren! Im nächsten Moment verschwanden sie und tauchten im Haus wieder auf!
DAS war nun wirklich unheimlich... Fernsehshow, oder was auch immer... Margit und Jessica würden dieses Haus wohl nur in Handschellen verlassen, wenn deren Geheimnis raus kam!
Immer mehr Kandidaten wurden Gruppenweise in`s Sprechzimmer gerufen. Teilweise mussten sie völlig abstruse Fragen beantworten, die garnicht zu beantworten gingen und die Bestrafung folgte auf dem Fusse. Waterboarding; Stromschläge; bei jedem etwas Anderes und immer heftiger werdend.
Jessica und Margit waren noch immer nicht dran...
Uneinigkeit entstand unter den Kandidaten, ob man sich nicht einfach gemeinsam dagegen auflehnte und bei dem Spiel nicht mehr mit machte.
Doch der Stimme aus dem Off konnte man sich kaum entziehen und man tat doch wieder, was von einem verlangt wurde...

Wieder sollten sich alle zu einem Spiel sammeln. Es wurden Fragen gestellt, die mit A oder B zu beantworten waren. Ein entsprechendes Kärtchen mit seiner Wahl sollte hoch gehalten werden. Diejenigen, die die meist gewählte Antwort hoch hielten waren eine Runde weiter.
Jessica flog schon bei der ersten Frage raus. „Wenn Du auf einer einsamen Insel wärst. Mit wem hättest Du größere Überlebenschancen? A; Thorsten oder B; Jessica?“
Was für eine Frage?! Mit Thorsten auf einer einsamen Insel?! Da ging sie eher in den Freitod! Antwort B!
Jessica war klar, dass sie mit dieser Antwort aus dem Spiel fliegen würde und keine Punkte erhielt, geschweigedenn die Chance auf das ominöse goldene Ticket, um das es hier scheinbar die ganze Zeit ging. Aber irgendwie beschlich sie auch das Gefühl, dass es gar keine so grosse Auszeichnung war, dieses goldene Ticket zu erhalten...

Jessica erhielt also keine Punkte; Zum Mittagessen gab es wieder Fleisch. Die Welt war in Ordnung. Zumindest für diesen Moment. Es schmeckte, trotz einfachem Essen, sogar so gut, dass sie drei Portionen verschlang und danach sich völlig geplättet etwas hinlegen wollte. Zumal es gerade recht ruhig im Haus zu sein schien und es hiess, dass es noch Nachtisch geben würde. Jessica war satt und brauchte keine weiteren Kalorienbomben mehr.
Kaum hatte sie sich hingelegt und die Augen geschlossen, rumpelte Heiko rein und jaulte wieder was von seiner Franny.
Ein Anderer sagte was von Hundemagen im Nachtisch. Igitt! Hundemagen? Woher zum Henker wollten sie wissen, dass es der Magen von einem Hund war? Egal... Ach Hundemarke! Die von Franny? Desshalb wieder das Geheule...
Bald war das Zimmer wieder leer und Jessica froh sich gegen den Nachtisch entschieden zu haben. Doch als sie gerade wieder die Augen schliessen wollte, klopfte es an der Tür...
Hatte man hier denn nie seine Ruhe?!
Eine Frau mit langen, zum Pferdeschwanz zusammen gebundenen Haaren trat ein. Vom Kleidungsstil eher gewöhnlich. Nichts Auffälliges. Bisher hatte sie noch nichts mit ihr zu tun gehabt. Wahrscheinlich suchte sie jemand von den Anderen, aber Jessica war alleine in dem Zimmer.
„Sind sie Jessica Merger?“ fragte die Frau vorsichtig, die offenbar doch zu ihr wollte. Jessica war etwas überrascht. Vielleicht wollte die Frau ja ein paar Kosmetik-Tipps? Sie richtete sich in ihrem Hochbett auf und zupfte ihre Kleidung zurecht. Normalerweise war es ja nicht ihre Art sich mit ihrer Kleidung auf`s Bett zu legen, aber sie wollte eigentlich nur für ein paar Minuten die Augen schliessen und durchatmen.
Was nun folgte, liess Jessicas Atmung aber stocken. „Jessica Merger? Die Frau von Paul Merger?“ hakte die Frau nach.
Diese Frau... war das die Ärztin von der die Anderen gesprochen hatten, als sie die Verbindungen verknüpften und sowohl Margit, als auch sie fragten, ob wir eine Ärztin Namens Christina kennen würden? Keinem von ihnen kam der Name bekannt vor. Ganz tief in ihr machte sich eine Ahnung breit, was nun kommen würde, aber sie wollte daran nicht glauben. Roswitha; die Ex-Frau von Paul hatte dem Krankenhaus doch Himmel und Hölle heiß gemacht, um ihnen einen Kunstfehler nachzuweisen. Ergebnislos... Und Roswitha hatte Anwälte, die wahrlich über Leichen gingen, ja sogar noch diese fledderten... Das hatte Jessica am eigenen Leib erfahren müssen!
Diese Christina gestand ihr, dass sie Paul an jenem Tag operiert hatte, aber eigentlich garnicht hätte operieren dürfen. Es war ihr Fehler gewesen, wesshalb er in`s Koma gefallen war und sie machte sich seither grosse Vorwürfe.
Jessica war wie betäubt; ihr Hals fühlte sich unglaublich trocken an und ihr war es schlagartig eiskalt.
Ihr Mann wäre noch am Leben, wenn diese Frau nicht im OP gestanden hätte?! Sie müsste sich jetzt nicht mit der Frage quälen, ob sie für ihren Mann die richtige Entscheidung getroffen hatte; der ganze Stress mit Roswitha und der Lebensversicherung... All das wäre nicht nötig gewesen, wenn diese Frau, die da gerade in ihrem Zimmer stand, nicht gewesen wäre?! Jessica war Fassungslos. Sie war noch nicht mal in der Lage richtige Wut zu empfinden. Da war nur grenzenlose Leere und Fassungslosigkeit...
„Warum hätten sie nicht operieren dürfen?“ presste sie schliesslich hervor, aber im Grunde war die Antwort doch egal... Es änderte nichts am Ergebnis...

2.Abend – Auf eine verrückte Weise logisch...:


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Re: AEOM - Jessica Merger (der Roman ;O) )

Beitragvon RespawnLARPer » Di 16. Feb 2016, 11:03

2.Abend – Auf eine verrückte Weise logisch...:
Jessica war verzweifelt. Eine Flut von Gedanken rollte über sie hinweg, als sie die Ärztin hochkant aus dem Zimmer geworfen hatte. Aber bei all dem Durcheinander in ihrem Kopf, war ein Gedanke besonders präsent. Paul wäre noch am Leben, wenn diese Frau nicht im OP gestanden hätte! Warum hatte keiner der Umstehenden gemerkt, dass sie unter Alkoholeinfluss gestanden hatte? Sie war doch verflucht noch eins nicht alleine im OP! Warum hat niemand eingegriffen?!
Sie war in Tränen aufgelöst, als Larissa und Margit sie fanden. Beide waren bestürzt darüber zu erfahren, dass das Krankenhaus einen Kunstfehler vertuscht hatte.
Es dauerte eine Weile, bis sich Jessica wieder halbwegs gefangen hatte. Während Larissa ihren Notizen eine Verbindung hinzufügte, brauchte Jessica nun doch etwas Süsses, um den Schock zu verdauen. Im Speisesaal gab es noch ein paar wenige Bratäpfel, von denen sie sich einen nahm. Nicht aber ohne sich vorher zu vergewissern, dass die Füllung auch wirklich aus Marzipan bestand und nicht aus irgendwelchen Hundemarken oder sonstigen Dingen, die da nicht hinein gehörten...
Während sie im Bratapfel stocherte, drangen Schreie aus dem Sprechzimmer, das an den Speisesaal angrenzte. Einige Kandidaten sassen besorgt davor. Es waren wohl wieder Kandidaten zu einer Prüfung hinein gerufen worden, denen eigenartige Fragen gestellt wurden, die Jessica von ihrem Platz aus nicht hören konnte. Umso mehr konnte sie aber die schmerzerfüllten Schreie hören, wenn die Fragen wohl nicht zur Zufriedenheit dieser Show beantwortet worden waren...
Dann überschlugen sich die Ereignisse. Die Tür öffnete sich und die befragten Kandidaten kamen völlig niedergeschmettert aus dem Raum. Doch in Svenjas Blick brodelte der Hass und sie schlug auf eine der anderen Kandidatinnen ein. Nur mit Mühe konnten Svenja von der am Boden liegenden Frau getrennt werden, woraufhin wie wutendbrand in ihr Zimmer stürmte. Jessica folgte ihr, um sie zu beruhigen, flog aber hochkant aus dem Zimmer raus, das eigentlich auch ihr Zimmer war... egal. Sie hatte ihre eigenen Probleme und keine Lust ihr Camouflge-Makeup zu benötigen, weil Svenja ihr am Ende ein blaues Auge verpasste. Jessica stetzte sich wieder in die Küche und überliess es Anderen sich in die Gefahrenzone zu begeben, während sich heraus stellte, dass diese andere Frau wohl den Brand in dem Kino gelegt hatte, in dem Svenjas Schwester umgekommen war.
Sonderlich zu bereuen schien sie es ja nicht. Eine ziemlich kaltblütige Frau. Jessica mochte sie nicht, denn die Ex-Frau ihres Mannes hatte genau den selben Blick. Allmählich wuchs aber tief in ihr drinn eine Angst vor dem, was sie in dem Sprechzimmer erwarten würde, denn sie hatte das Gefühl, dass die Strafen immer heftiger ausfielen...
In ihr brodelte ein unglaublicher Hass auf die Ärztin, die ihr versichert hatte mittlerweilen keinen Tropfen Alkohol mehr anzurühren. Aber sich so gehen lassen wie die Anderen und Gewalttätig werden? Das war nicht Jessicas Art. Es würde Paul auch nicht wieder bringen...

Margit begegnete ihr auf dem Flur und Jessica teilte ihr ihre Sorgen wegen diesem Sprechzimmer mit. Diese schien wenig besorgt und erzählte irgendwas von Gottes Wille und nichts falsch gemacht. Jessica war sich jedoch nicht mehr so sicher wie damals, ob der Weg, den sie gegangen war der Richtige gewesen war...
Endlich hatte Svenja sich aus dem Zimmer verkrümelt, um irgendwo im Haus jemanden lautstark zu beschimpfen. Jessica nutzte die Gelegenheit sich etwas zurück zu ziehen und nachzudenken. Sie setzte sich an ihren improvisierten Schminktisch und erschrak vor ihrem Spiegelbild.
Eine niedergeschlagene Frau blickte ihr aus ihren geröteten Augen entgegen. Das gefiel ihr garnicht. Anfangs hektisch, aber nach und nach von einer inneren Ruhe beseelt, erneuerte sie ihr Make-up. Dieses Ritual hatte ihr schon immer geholfen, wenn sie im Stress war, oder ihr etwas Sorgen bereitete. Ein neues Make-up auflegen und sie fühlte sich wie neu geboren. Frisch und ausgeruht. Eine Maske, die sich auch auf ihre Seele legte und ihre Sorgen verdrängen liess.
Als sie mit ihrem Werk fertig war, betrachtete sie sich zufrieden im Spiegel. Eine selbstbewusste, stolze Frau blickte ihr nun entgegen. So konnte sie unter die Leute gehen. Mit erhobenen Kopf gesellte sie sich also wieder zu den anderen Kandidaten im Aufenthaltsraum. Während um sie herum alles hektisch war; wilde Spekulationen betrieb, oder sich hasserfüllt anfunkelte, ruhte Jessica in sich selbst und hört der Diskussion zu, ob man sich dieser Stimme aus dem Off verweigern solle und die Apparatur abstellen, oder nicht.
Erneut brach Panik aus, als der Feuerwehrmann mit der Kettensäge auf dem Balkon plötzlich auftauchte und durch`s Fenster herein starrte! Wenngleich nicht mehr als das passierte, fand Jessica diese Gestalt nun wirklich bedrohlich! Das Wasser in der Apparatur nahm immer mehr die Färbung von Blut an und Richard kostete etwas davon... Seiner Meinung nach schmeckte es auch nach Blut! Jessica ertappte sich dabei, dass ihre Gedanken immer öfter um Paul kreisten. Die Apparatur fing an sie an das Krankenhaus zu erinnern. All die Schläuche und Infusionen... Blut...
Fing die Show nun auch an an ihren Nerven zu zerren? Immerhin wandelte Paul nicht durch die Gänge! Aber eigentlich bedauerte Jessica das fast...
Der Feuerwehrmann ist so schnell verschwunden, wie er aufgetaucht war, doch die Unruhe setzte sich auf dem Flur vor dem Aufenthaltsraum fort.
Die beiden Maskierten waren wieder aufgetaucht und tasteten sich Richtung Aufenthaltsraum vor. So weit waren sie im Haus zuvor noch nie gekommen. In ihrem Verhalten wirkten sie zurückhaltend und ängstlich. Wichen immer wieder vor den Kandidaten zurück, aber tasteten sich dann doch wieder weiter vor, bis sie schliesslich fast im Aufenthaltsraum standen, wo sie etwas von „Oh wie Schrecklich“ und „Ist das Furchtbar“ raunten.
Sie deuteten auf die Apparatur und dann auch auf einige der Kandidaten. Eine der Gestalten schien sich übergeben zu müssen, ehe sie fluchtartig wieder den Rückzug antraten.
Jessica glaubte nicht, was sie da gerade gesehen hatte! Bilder rasten durch ihren Kopf. Der Adventskalender mit den Autounfällen, die sich immer wieder hinter den Türchen verbargen; die Apparatur, die mit Blut gefüllt zu sein schien und am laufen gehalten werden musste; Der Feuerwehrmann mit der Kettensäge; die Leute um sie herum, die alle irgendetwas getan hatten, was sie jemanden vergeben mussten, oder gar um Verzeihung bitten... und diese Gestalten, die sich im Verhalten wie Schaulustige benahmen!
Mein Gott... sie waren TOT! Oder so gut wie... Vielleicht lagen sie alle im Koma? So wie ihr Paul? Im Krankenhaus hatte man ihr immer gesagt, sie solle sich mit Paul unterhalten, weil man nie wüsste, ob vielleicht etwas zu seinem Bewusstsein durch drang. Fühlte es sich so an, wenn man das Bewusstsein verloren hatte? Der Feuerwehrmann... die Schaulustigen... nur ein Echo aus der Wirklichkeit, die einem nichts Böses wollten?
Jessica erzählte Larissa von ihren Gedanken, dass sie alle in einem Autounfall verwickelt wären. Vielleicht nicht alle im selben Autounfall und auch nicht zur selben Zeit. Wo immer sie auch waren würde Zeit wohl keine Rolle spielen. Larissa lachte aber nur darüber und schien sie ab diesem Zeitpunkt nicht mehr für voll zu nehmen. Konnte Jessica ihr auch nicht verübeln. Wahrscheinlich war sie tatsächlich nur etwas übernächtigt. Aber nachdem sie einmal auf diese eigenartige Verkettung gekommen war, wollte der Gedanke sie nicht mehr so recht los lassen und alles erschien ihr plötzlich so logisch. Hier entschied es sich, ob sie für ihre Taten büssen mussten, oder ihren Frieden fanden... Wenn dem so war... warum tauchte Paul nicht auf, so wie Jans Frau Lilly? Hasste er sie so sehr, oder war sie ihm egal geworden?
Jessica Du spinnst! Das ist eine Fernsehshow!
Autounfall, Feuerwehrmänner, Schaulustige, diese Apparatur... Blutkreislauf!
Verflucht... sie wusste nicht mehr woran sie glauben sollte...
Während sie mit sich selbst haderte, begegneten ihr die beiden „Schaulustigen“. Jessica nahm all ihren Mut zusammen und ging auf sie zu. Sie streckte ihnen die Hände entgegen und flehte sie an sie hier raus zu holen. Doch die Beiden wichen vor ihr zurück und schienen entsetzt. „Wie Schrecklich“ wiederholten sie immer wieder. Jessica wollte von den Beiden wissen, ob sie entstellt sei, ob sie ihr helfen könnten, doch ausser „wie Schrecklich; wie Furchtbar“ bekam sie nichts zu hören, ehe die Gestalten wieder verschwanden...

Erneut wurden alle von der durchdringenden Stimme zusammen gerufen. Ein neues Spiel um Punkte und damit um das goldene Ticket.
Es gab Sätze zu hören, die Kandidaten gesagt haben sollen und man sollte auf den Kandidaten deuten, von dem dieser Satz stammte.
Die humpelnde Simone, die wohl vor Jahren mal Rebeccas Opfer gewesen war, um an Kohle für Drogen zu kommen, regte sich fürchterlich auf, dass wir uns dem Spiel verweigern sollen. Was können die uns schon tun, wenn wir nicht mehr mitspielten. Doch niemand achtete auf Simone und alle spielten das Spiel mit.
Den Punktestand bekam Jessica nicht mit, denn nach dem Spiel entbrannte sofort eine wilde Diskussion, bei der sich vor allem diese hysterische Simone hervor tat. Im Grunde drehten sich alle mit ihren Argumenten nur im Kreis. Das konnte man sich auf Dauer nicht anhören. Jessicas Vermutungsäusserung mit dem Autounfall beachtete man garnicht. Sie hielt es im Aufenthaltsraum nicht mehr aus. Vielleicht sollte sie es nochmal mit etwas Schlaf finden versuchen. Lilly begegnete ihr wieder und sagte was von „Feuer“, als Jessica auf dem Weg in ihr Zimmer war. Nichts Neues, schliesslich war das eines der Lieblingswörter von Lilly, die von Mal zu Mal weniger verbrannt aussah, wenn sie ihr über den Weg lief.
Doch als Jessica ihr Zimmer betreten wollte, hörte sie laute, schmerzerfüllte Schreie vom anderen Ende des Flurs. Hastig eilte sie mit einer weiteren Kandidatin zu dem Zimmer, aus dem die Schreie drangen. Rauch schlug ihnen entgegen, als sie die Tür aufrissen und eines der Betten stand in Flammen, auf dem sich eine Gestalt wand. Da die Flammen sich noch nicht zu weit ausgebreitet hatten, konnte man diese mit einer Decke ausklopfen. Das Opfer war am Bettrahmen gefesselt worden und es handelte sich um jene Frau, die zuvor von Svenja angegriffen worden war. Carolin hiess sie wohl, die nun stöhnend vor Schmerz auf dem Bett lag. Die Ärztin kam hinzu geeilt um zu helfen. Jessica zog es vor sich aus dem Raum zurück zu ziehen, denn den Anblick dieser Ärztin ertrug sie nicht. Da nun abermals nicht an Schlaf zu denken war, kehrte sie in den Aufenthaltsraum zurück. Diese Simone hat sich in ihrer Hysterie noch gesteigert und forderte alle Kameras abzukleben.
Was soll es schon für Konsequenzen haben, bisher gab es noch nie kollektive Strafen.
Die Nachricht, dass Carolin den Brandanschlag schlussendlich nicht überlebt hatte, wurde überbracht. Noch mehr Grund für Simone alle Anwesenden aufzustacheln die Kameras abzukleben und sich dem Spiel zu verweigern.
Hallo? Kein Fleisch zum Abendessen, als EINE der Kameras verhängt worden war?! Sie waren in dem Haus eingeschlossen. Was, wenn ihnen das Essen komplett gestrichen wurde? Aber wer hörte schon Jessica zu? Richtig... Niemand!
Diese Simone wartete nicht mal eine ordentliche Abstimmung und die Meinung der Anderen ab. Sie legte gleich munter drauf los die Kameras im Aufenthaltsraum abzukleben, während sie grossspurig behauptete die Verantwortung dafür zu übernehmen!
„Kandidaten! Manipuliert nicht die Kameras!“ erklang die erzürnte Stimme aus dem 'Off'. Jessica wurde nervös. Das war nicht gut. Das war ganz und garnicht gut...
Eine der Kameras befreite Jessica wieder von dem Klebeband. An die Zweite liess man sie nicht ran, denn es stellte sich ihr dieser Noah in den Weg, der einen guten Kopf größer war als sie (und das lag nicht an der Frisur...)
Nun wollte sich diese Simone auch noch an der Apparatur zu schaffen machen, doch hier hatte sie nun eindeutig Jessicas Grenze überschritten!
Wütend stellte sie sich ihr in den Weg, die einfach über die Köpfe aller Anderen hinweg entschied und es entbrannte ein verbales Kräftemessen und leichtes Gerangel um die Apparatur. Niemand mischte sich ein. Alle hielten sich raus und befanden es wohl für bequemer den Ausgang zwischen Jessicas und Simones Kampf als ihr Schicksal zu akzeptieren... Vielleicht war ihnen der Ernst der Lage auch nicht bewusst, denn Jessica war immer mehr von ihrer Theorie überzeugt.
Dieses Ding symbolisiert unseren Überlebenskampf, da war sie sich sicher. Sie würde nicht zulassen, dass diese Simone für sie mit entschied, ob sie überlebte oder nicht!
Simone fauchte sie an, dass es keine Konsequenzen haben würde. Es gab ja auch noch keine Strafe, wegen der abgeklebten Kameras!
Noch nicht... gab Jessica zurück. Die böse Überraschung würde schon noch folgen...
Und dann stand Carolin plötzlich in der Tür! Die tote Carolin! Mit einem eiskalten Blick, der Jessica richtig Angst machte.
Simone erhielt das goldene Ticket mit den Worten sie würde nun die Verantwortung für die Folgen ihrer Tat tragen. Zudem wurde von der Stimme aus dem Off mitgeteilt „Annehmlichkeit Zwei und Drei wurde gestrichen“. Nachdem sich scheinbar nichts veränderte und Carolin ja wieder zurück war, steigerte sich Simone in ein hysterisches Lachen, dass sie Recht hätte. Sie übernähme die Verantwortung gern, aber es würde ohnehin nichts passieren! Ein Grund mehr für Jessica zu glauben, dass das goldene Ticket nichts ist, was man unbedingt haben musste...
So beflügelt in ihrer Meinung wollte Simone erstrecht die Apparatur abstellen, doch Jessica blieb unerbittlich. Sie forderte eine gerechte Abstimmung. Simone behauptete, es wäre abgestimmt worden, doch Jessica liess es nicht gelten, wenn nur Jene, die gerade zufällig im Raum waren ihre Stimme abgaben, während die andere Hälfte der Kandidaten im Haus unterwegs war und von Nichts wusste, was hier gerade ablief!
An dem Gerät würde nicht manipuliert werden, bis alle ihre Meinung dazu vorgebracht und abgestimmt hatten! PUNKT!
Simone funkelte Jessica an, sorgte dann aber dafür, dass sich alle Kandidaten versammeln sollten, während Jessica von der Stimme aus dem 'Off' 10 Sonderpunkte erhielt. Jessica wusste gerade garnicht, ob sie sich darüber freuen sollte oder nicht.
Endlich waren scheinbar alle versammelt, da brach erneut Tumult aus. Jemand hatte ein langes Messer in der Hand und plötzlich gab es ein Handgemenge um dieses Messer... Einige Verletzte; ein Toter war das Ergebnis...
Und Simone gab Jessica die Schuld dafür, weil sie ja alle in einem Raum haben wollte. Was sollte Jessica jetzt dafür können, wenn Andere ihre Aggressionen nicht im Griff hatten? Ungläubig starrte sie auf die Szene, verhinderte aber nach wie vor, dass Simone an die Apparatur ran kam.
An eine Abstimmung war natürlich gerade nicht zu denken, doch Simone lauerte geradezu auf eine Chance das Gerät abzustellen.
Ein lauter Aufschrei unterbrach das herrschende Durcheinander. Eine Gestalt war wieder am Fenster aufgetaucht. Jessica sah nur etwas Weisses und war davon überzeugt, dass es ein Arzt, oder Spurensicherung sein müsste, woraufhin sie von Svenja angefahren wurde, ob für sie SO ein Arzt aussehen würde?! Über und über mit Blut verschmiert! Das wäre ihrer Meinung nach ein Metzger! wurde Jessica angegiftet.
Gut... wenn sie meinte... dann war es halt ein Metzger. Doch Jessica glaubte nicht so recht daran, auch wenn sie von ihrer Position aus nicht viel gesehen hatte.
Dann tauchte Lilly wieder auf. „Gefahr“ sagte sie zu Jessica und deutete auf die Apparatur, die sie so sehr verteidigte.
Bisher hatte Lilly ihnen nie geschadet und Jessica war verunsichert. Gefahr? Gefahr wenn das Ding lief, oder wenn man es abstellte?
Da Lilly immer sehr wortkarg antwortete formulierte Jessica ihre Frage um. Lilly schüttelte den Kopf auf die Frage, ob Gefahr besteht, wenn das Gerät läuft. Also Gefahr, wenn man es abstellt? Lilly nickte und betonte erneut „Gefahr!“.
Und die Kameras? Sollten sie abgeklebt bleiben? Das schien Lilly in Ordnung zu finden. Nun war für den Moment Simone ruhig gestellt. Jessica war einverstanden damit, dass im ganzen Haus die Kameras abgeklebt wurden, aber das Gerät sollte am laufen gehalten werden!
Simone verspottete Jessica, während sie einen der Messbecher aufnahm, mit denen die Flüssigkeit in den oberen Behälter geschöpft wurde. Soll sie doch alleine die ganze Nacht durch auf das Ding aufpassen!. Ohne Vorwarnung schüttete Simone den kläglichen Rest der Flüssigkeit, der in dem Messbecher verblieben war, Jessica in`s Gesicht. Jessica war wütend, aber sie liess sich nicht provozieren. Simone wollte sie ja nur weg locken, damit irgendeiner ihrer Handlanger an das Gerät kam. Vielleicht dieser Noah... Wenn es sein musste, würde Jessica auf dieses Ding die ganze Nacht über aufpassen, denn sie bekäme ohnehin kein Auge zu, bei der ständigen Angst, dass diese Simone in der Nacht das Gerät manipulierte...
Sie ertrug den Spott von Simone, während diese endlich den Aufenthaltsraum verliess, um sich schlafen zu legen.



2.Nacht – Die Nachtwache

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Re: AEOM - Jessica Merger (der Roman ;O) )

Beitragvon RespawnLARPer » Di 16. Feb 2016, 11:03

2.Nacht – Die Nachtwache
Der zuvor niedergestochene Kandidat war auch wieder unter den „Lebenden“ und rezitierte nun Bibeltexte. Als ob das hier alles nicht schon eigenartig genug war...
Jessica betrachtete den Countdown, der hinter der Apparatur angebracht war. Noch knapp 16h zeigte er an. Was würde nach Ablauf dieser Zeit passieren, wenn dieses „Unterhaltungsformat“ offiziell beendet war? War das die Zeit, die sie zwischen Leben und Tot trennte?
Im Aufenthaltsraum war es ruhiger geworden. Heiko war auf einer der vielen Couchen eingeschlafen. Genauso wie die Frau, die die Schichteinteilung für die Apparatur gemacht hatte, um die sich nun keiner mehr kümmern wollte, abgesehen von Jessica. Richard war noch hier und unterhielt sich mit Jana, die ihr Nachtlager im Aufenthaltsraum aufgeschlagen hatte, weil sie es in dem Zimmer mit ihrem Exmann nicht mehr aushielt. Jessica war am Nachmittag Zeuge geworden, als der Immobilienmakler, der den ganzen Tag mit einem Geschicklichkeitsspiel aus Holz herumgespielt hatte, extremst ausgerastet und auf Jana losgegangen war. Jessica war geradenoch ausgewichen, bevor das Holzspielzeug an ihrem Kopf vorbei flog und gegen die Wand hinter ihr schmetterte. Ein beängstigender Moment. Nur gut, dass noch Andere im Aufenthaltsraum anwesend waren und den Choleriker zurück hielten. Wieviel Glück Jessica mit Paul doch gehabt hatte... Jana tat ihr leid, doch im Moment machte sie sich grössere Sorgen um die Apparatur. Die Flüssigkeit tropfte immer langsamer hindurch. Hing es damit zusammen, weil es nun ruhiger im Haus wurde?
Jana teilte Jessicas Sorge, die nun gegen die Leitung klopfte. Wenn das wirklich Blut war, dann hatte sich vielleicht irgendwo ein Gerinsel gebildet und verstopfte nun die Leitung. Eine Schlauchthrombose witzelten Jana und Jessica mit einem Anflug von Galgenhumor. Richard wiederrum nutzte diese Vorlage als Herleitung zu einem anzüglichen Witz... Männer eben...
Dann gab es wieder Tumult auf dem Flur. Richard sah nach, was da los war, während Jessica nicht von der Apparatur wich. Das Klopfen gegen die Leitung schien geholfen zu haben, denn nun lief das Ding schon fast zu schnell...
Die weisse Gestalt, der angebliche Metzger, war in einem der Zimmer aufgetaucht. Als er wieder verschwand blieb eine mit Blut gefüllte Spritze am Boden zurück. Klar... Metzger liefen auch immer mit Spritzen durch die Gegend. War wohl zum Trichinenbeschau hier?!
Jessica war nun noch mehr von ihrer Theorie überzeugt, von der nun Jana und Richard mehr wissen wollten und sie erzählte erneut von ihrer Autounfall-Theorie. Richard wollte wissen, wie Jessica sich dann erklärte, dass diese Lilly hier immer rum lief und „Maya böse“ sagte. Es gab wohl sogar Kandidaten, die diese Maya, die sich selbst Angel nannte, töten wollten. Noah und noch ein paar Andere waren ständig als Leibwache in ihrer Nähe.
Jessica war davon ausgegangen, dass dieses ewige „Maya böse“ nichts zu bedeuten hatte. Etwas aus der Welt von Jan, womit er nicht fertig wurde. Wenngleich sie einmal Larissa gegenüber in einem sarkastischen Kommentar fallen liess, als sie selbst noch nicht so recht an ihre Massenkarambolage-theorie glauben wollte, dass diese Angel diese wohl verursacht haben wird. Aber wenn man schon am zusammenspinnen der Puzzleteile war, dann so richtig... Wie war das mit dem berühmten Satz von Sherlock Holmes nochmal? Jessica bekam es nicht mehr ganz zusammen, aber Richard half ihr hier aus. „Wenn man das Unmögliche ausschließt, muss das, was übrig bleibt, auch wenn es noch so unwahrscheinlich ist, wahr sein.“ Tja... Unmöglich war hier alles... Aber da gab es noch einen anderen Satz, auf den Jessica hinaus wollte, der ihr aber in dem Moment nicht mehr vollständig einfallen wollte, der aber korrekt gelautet hätte: „Wenn man alle logischen Lösungen eines Problems eliminiert, ist die unlogische obwohl unmöglich unweigerlich richtig!„
Richard leistete Jana und Jessica noch eine Weile Gesellschaft, ehe er sich in sein Zimmer zurück zog. Es wurde ruhig im Haus. Nur noch Jana und Jessica waren wach und unterhielten sich leise, während sie mit Besorgnis beobachteten, dass die Flüssigkeit wieder langsamer floss. Vielleicht hatte es wirklich etwas mit der Aktivität im Haus zu tun? Besonders unheimlich fand Jessica den Lüfter des Beamers, der im Aufenthaltsraum Tag und Nacht lief, während er eine Projektion von fliessenden Gewässern an die Wand warf. Gelegentlich heulte dieser Lüfter ganz leise auf, was sich wie eine weit entfernte Sirene anhörte. Manchmal aber, waren für Sekundenbruchteile auch schreckliche Fratzen zu sehen. Oder gar eigenartige Musikvideos, wie von dem Typen, der ständig von Autos überfahren wurde, bis diese schliesslich an ihm zerschellten.
Jana stellte einen Wecker, um Jessica zu unterstützen, falls sie doch bei ihrer Nachtwache einschlief. Es tat gut, dass ihr jemand glaubte und sie unterstützte. Noch bevor Jana sich aber schlafen legen konnten, wurde es wieder laut im Haus. Panik brach aus, als der Feuerwehrmann, der sonst nur am Fenster gestanden hatte nun durch das Haus lief und mit einem CO2-Löscher hantierte, wobei er einen unglaublichen Lärm machte. Das Zischen des Löschers hatte etwas von einem bedrohlich fauchenden Tier. Die Gestalt kam bis in den Aufenthaltsraum und löschte dort in allen Ecken. Jessica hatte in ihrem Leben noch nie so viel Angst und redete sich ein, dass der Mann hier war, um ihnen zu helfen.
Sie versuchte Heiko zu warnen, doch der schlief tief und fest. Zu beneiden...
Dann war die Gestalt so schnell verschwunden, wie sie aufgetaucht war. Bald wurde es wieder ruhig im Haus und alles schlief. Auch Jana.
Jessica hatte sich auf eine freie Couch neben der Apparatur gelegt und war in Gedanken versunken, während sie den Tropfen zusah, die gleichmässig in den Messbecher herab fielen.
Jana hatte ihren Wecker auf 20 Minuten eingestellt. Anfangs war Jessica schneller mit dem Umfüllen, aber ihr fiel bald auf, dass die Apparatur von mal zu mal langsamer tropfte, bis vielleicht gerademal ein Tropfen pro Minute sich hindurch quetschte. Völlig unnötig alle 20Minuten den Messbecher im oberen Behälter zu entleeren. Dennoch stand Jana extra auf und füllte den kläglichen Inhalt um. Irgendwann hatte Jana ihren Wecker wohl nicht mehr gehört. Aber das war auch nicht nötig. Es war gerademal der Boden des Messbechers bedeckt... dafür war die Flüssigkeit nochmals um einige Nuancen roter geworden...
Jessica hatte viel Zeit nachzudenken, während sie den roten Tropfen zusah, die sehr langsam den Messbecher füllten. Was, wenn sie wirklich recht hatte und sie lagen alle an einem Unfallort? Es muss schlimm genug sein, dass Feuerwehrleute mit Kettensägen sie da heraus schneiden mussten und es gab offensichtlich ein Feuer... Die Prüfungen mit den Stromschlägen oder Waterboarding... Vielleicht war das garnichts Böses? Löschwasser, das Manche abbekommen hatten? Reanimationsversuche mit Defibrillator?
Wenn Jessica dran war in dieses Sprechzimmer zu gehen, würde sie ganz fest an diesen Gedanken festhalten, denn der Gedanke gefiel ihr, dass das, was sie erwarten würde nur in ihrem Kopf etwas Schreckliches war! Sie erinnerte sich an das kurze Gespräch mit Margit über Nahtoterfahrungen. Sie meinte, sie hätte als Krankenschwester ja schon viel erlebt, aber noch nie von einer Spielshow als Nahtoterfahrung gehört. Naja... vielleicht gingen die ja auch mit der Zeit...
Aber ein anderer Gedanke fing nun an an Jessica zu nagen... Sie hatte sich Zweimal in ihrem Leben von ganz unten nach oben gekämpft. Was wenn sie fürchterlich entstellt war? Brandwunden? Am Ende noch im Gesicht?! Sie wollte eigentlich nicht zu ihrem besten Abnehmer ihrer Camouflage-Produkte werden... Die Schlagzeilen dazu wollte sie sich lieber nicht ausmalen... Wollte sie unter solchen Umständen wirklich weiterleben? Hatte sie wirklich die Kraft sich ein Drittesmal durchzubeissen? Und was war mit Paul? Hatte sie nicht auch für Paul eine ähnliche Entscheidung getroffen, die in seinem Ableben resultierte, damit er sich die Peinlichkeit nicht antun musste ein Pflegefall zu sein? Wie könnte sie guten Gewissens weiter leben, wenn sie Paul dieses Leben versagt hatte? Warum erschien Paul ihr nicht? Warum nahm er sie jetzt nicht einfach in den Arm und sagte ihr, was Richtig war, so wie früher? Es wäre ihr sogar recht gewesen, wenn er sie beschimpft und verflucht hätte... Aber so überhaupt nichts?
Jessica war mit den Nerven am Ende. Daran war sicherlich nicht nur die neunstündige Nachtwache schuld, denn seit Beginn der Show hatte sie kaum Schlaf gefunden.
Der Morgen graute und es kam wieder Bewegung in`s Haus. Gleich würde wieder der Kampf um die Apparatur los gehen, aber in Jessica hatte sich eine unglaubliche Gleichgültigkeit breit gemacht. Ihr war klar, dass sie nicht mehr die Kraft haben würde gegen eine ausgeruhte Simone anzukommen. Sie war sich noch nichtmal sicher, ob sie überleben wollte...
Der Kampf um die Apparatur liess auch nicht lange auf sich warten. Die Ersten stritten bereits darum, aber Jessica blieb nur auf der Couch sitzen und starrte vor sich hin, während sie Jana von ihrer Angst erzählte, am Ende ein Pflegefall zu sein, wenn sie wieder aufwachte. Es gab niemanden, der wirklich auf sie warten würde und ihr beistehen.
Irgendjemand drehte den Hahn der Apparatur auf, um diese leer laufen zu lassen. Völlig niedergeschlagen wegen der Sinnlosigkeit die Nacht durch Wache gehalten zu haben, wartete Jessica darauf, dass gleich alles vorbei sein würde. Doch Jana sprang nun auf und fing an hastig die Flüssigkeit in den oberen Behälter zu schöpfen.
Jessica hielt es nicht mehr aus in dem Raum und zog sich auf ihr Zimmer zurück. Auf dem Weg dorthin bekam sie Wortfetzen mit. Der Speisesaal war wohl abgeschlossen. Es gab kein Frühstück... Die gestrichene Annehmlichkeit Zwei...
Und dann waren einige Toiletten und Duschräume abgeschlossen... Die gestrichene Annehmlichkeit Drei...
Von wegen keine Konsequenzen... Jetzt kann diese Simone ja unglaublich Stolz auf sich sein...
Frühstück brauchte Jessica ohnehin keines... Sie wollte sich nur noch hinlegen und die Augen schliessen, als ihr plötzlich ein unglaublicher Gestank nach vergammelten Fisch entgegen schlug...
Ein neues Spiel... Weil die Kandidaten ungehorsam waren, mussten sie sich das Frühstück freispielen, indem sie etwas von dem vergammelten Fisch assen... Jessica war wütend auf diese Simone, die am Vortag noch grossspurig meinte die Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Soll sie den Fisch doch alleine fressen! keifte Jessica. Die Bestätigung aus dem Off folgte auf dem Fusse... Wenn Kandidat Simone den Fisch essen würde, wäre für alle Kandidaten das Frühstück wieder frei gespielt. War natürlich klar, dass diese Simone das nicht tat...
Das war nun aber nicht Jessicas Problem. Sie war müde und hatte ohnehin keinen Hunger. Sollen das die Anderen mit Simone klar machen!
Wirklich Schlaf fand sie aber erneut nicht. Die Wut auf Simone hat sie zu sehr aufgewühlt. Nach etwa zwei Stunden beschloss Jessica sich eine Dusche zu genehmigen. Doch das Vorhaben wurde durch einen Feueralarm jäh unterbrochen. Nachdem der Tumult aber schon wieder beendet war, als sie aus dem Badezimmer heraus trat, kehrte sie um und liess es bei einer Katzenwäsche bewenden. Nur für den Fall, dass es erneut einen Alarm gab... Stattdessen unterhielt sich jemand auf dem Flur intensiv mit einer der Kameras. Tief religiöse Themen schienen ihn zu bewegen...
Jessica war es egal... Vielleicht war sie auch einfach in einem Irrenhaus gelandet? Ein Terroranschlag auf das Flugzeug in dem sie gesessen hatte und Nervengas war freigesetzt worden? Sie brauchte dringend wieder etwas vertraute Routine!
Kaum in`s verwaiste Zimmer zurück gekehrt und mit ihrem Schminkritual begonnen, das aus ihr jedesmal einen neuen Menschen machte, tauchte Richard auf. Sie solle in den Aufenthaltsraum kommen, denn alle wollten sich ihre Geschichten erzählen, damit sie endlich einen Weg hier raus fanden. Auch liess er nicht aus, dass man sich mittlerweilen darauf geeinigt hatte die Apparatur am laufen zu halten. Jessica war sauer und machte Richard klar, dass sie gerade über 9 Stunden auf das verfluchte Gerät aufgepasst hatte, während alle brav geschlafen haben; sie sich nicht mal 2 Stunden ausruhen konnte; noch nichtmal eine ordentliche Dusche hatte; von Frühstück ganz zu schweigen... Sie würde sich JETZT die Zeit nehmen für ihr Makeup und sich dann vielleicht dazu herab lassen ihre Geschichte zu erzählen, wenngleich man ihr zuvor bei ihren Theorien auch schon nicht zugehört hatte!
Richard gab nach und wollte wissen, wie lange sie wohl für das Makeup brauchen würde. Etwa 20 Minuten log Jessica und wusste sehr genau, dass sie sich VIEL Zeit lassen würde!
Es dauerte fast eine Stunde, denn sie nahm sich auch noch Zeit für ein kleines Frühstück. Zumindest ergatterte sie noch eine liegen gebliebene Semmel und etwas Wurst, ohne dass sie etwas von dem vergammelten Fisch hatte essen müssen. Zwischenzeitlich waren auch wieder Kandidaten in das Sprechzimmer gerufen worden. Damit ging Jessica davon aus, dass sich die Gesprächsrunde ohnehin schon wieder in Wohlgefallen aufgelöst haben wird...
Nach dem kleinen Frühstück wollte sie sich die Zähne putzen, aber das untere Badezimmer war noch immer abgeschlossen. Also ein Stockwerk höher...
Ihre gerade etwas besser gewordene Laune erreichte mit der obersten Treppenstufe erneut einen Tiefpunkt, denn Simone versperrte ihr den Weg und funkelte sie an. Jessica verspottete sie und rieb es ihr unter die Nase, dass sie Verantwortung wohl nicht sehr gross schrieb. Wo war ihre Verantwortung, als sie für alle Kandidaten das Frühstück wieder frei spielen sollte?! Simone sagte darauf nichts, versperrte ihr nur weiter den Weg und glaubte wohl besonders bedrohlich auszusehen.
Jessica kochte innerlich vor Wut, wenn sie die Frau nur sah, aber hatte keine Lust sich von ihr provozieren zu lassen. Sie atmete einmal tief durch, nahm sich Zeit Simone abschätzend in die Augen zu sehen und meinte dann nur trocken, dass mit etwas dunklem Kajal und Wimperntusche ihr bedrohlicher Blick wohl überzeugender rüber kommen würde!
Mit diesen Worten drückte sie sich an Simone vorbei, die ihr sofort wieder den Weg zur Toilette versperrte. Jessica zuckte mit den Schultern und nahm das Badezimmer daneben. Hauptsache ein Waschbecken zum Zähne putzen... Über Simone schüttelte sie nur noch den Kopf.
Als sie aber ihre Zahnpastatube aufschrauben wollte fiel ihr auf, dass sie bei dem Gerangel mit Simone einen ihrer Designer-Fingernägel verloren hatte! Jessica war wütend! Am liebsten würde sie dieser unmöglichen Person die Augen auskratzen!
Egal... beruhigte sie sich selbst... Sie hatte ja noch Ersatzfingernägel und den Spezialkleber dabei. Alles kein Problem... Nur nicht auf die selbe Stufe wie diese Person stellen!


3.Tag – das Geständnis

Nachdem Jessica also erstmal ihre Figernägel gerichtet hatte, was auch nochmal Zeit in Anspruch nahm, bequemte sie sich zu den Anderen. Wie nicht anders zu erwarten, war gerademal eine handvoll Kandidaten anwesend, der Rest im Haus verstreut, oder noch im Sprechzimmer.
Die Apparatur, durch die nun eine tiefrote Flüssigkeit tropfte, wurde wieder betreut. Am Rande bemerkte Jessica, die es sich auf einer der Couchen gemütlich machte, dass auch die Kameras wieder vom Klebeband befreit waren. Niemand beachtete sie, oder dankte ihr für ihren nächtlichen Einsatz. Undankbare Bande! Mit nur so vor Sarkasmus sprühenden Unterton, rief sie laut aus: „Ach vielen Dank übrigens liebe Jessica, dass Du Dich alleine die ganze Nacht durch um die Apparatur gekümmert hast!“
Ein; „Wer ist Jessica?“ wurde von dem Immobilienmakler erwiedert, was ein erzürntes „ICH!!!“ und einen Killerblick, von dem sich Simone eine gute Scheibe hätte abschneiden können, zur Folge hatte.
Ihn rettete die Tatsache, dass sich mittlerweilen fast alle Kandidaten versammelt hatten und das grosse Geschichtenerzählen beginnen konnte.
Jessica hörte nur auf halben Ohr zu, denn sie war fürchterlich müde und in Gedanken damit beschäftigt, wie viel sie erzählen sollte.
Der Immobilienmakler war, wer hätte es gedacht, in irgendwelche krummen Geschäfte verwickelt; der Exhäftling Oliver war wohl tatsächlich nicht an Larissas Entführung beteiligt und damit unschuldig hinter Gittern gelandet. Jessica hatte ihn immer gemieden, immerhin behaupteten ihrer Anschicht nach ja alle Kriminellen unschuldig zu sein. Einer seiner Zellengenossen hatte Oliver Rächen wollen, indem er Larissa tötet, erwischte aber das Zimmermädchen... Larissa kicherte die ganze Zeit über, als das alles heraus kam. Anscheinend hatte sie irgendwelche Drogen genommen, oder drehte gerade komplett am Rad... Das Zimmermädchen war wohl die Lebensgefährtin jener Ärztin gewesen, die ihren Kummer in Alkohl zu ertränken versucht hatte und dann zu der OP von Paul eingeteilt worden war...
Jessica war wie betäubt. Entsetzt über die Verkettung der Umstände und der Wut darüber, dass die Frau die OP hätte garnicht durchführen dürfen, derentwegen Paul in`s Koma gefallen war. Jessica wollte ihre Geschichte nicht erzählen. Das würde Paul nicht zurück bringen. Es war ihre Schuld, dass er nie wieder die Chance hatte aus dem Koma wieder zu erwachen und wollte Margit da nicht noch mit rein ziehen. Doch Margit betonte, dass wenn Jessica nicht reden wollte, sie es tun würde. Also fasste sich Jessica ein Herz und erzählte. Sie erzählte von den finanziellen Problemen, weil sie die Geschäfte vernachlässigt hatte, während sie sich um Paul kümmerte und ihm jeden Tag etwas vorlas. Wie sehr es sie schmerzte ihn so liegen zu sehen. All die Schläuche und Geräte... und wie sein Körper immer mehr abbaute. Sie erzählte von Roswitha, die ihr und auch dem Krankenhaus die Hölle heiß machte und dass ihr irgendwann alles über den Kopf hinaus wuchs... Als sie von der Lebensversicherung erzählte, die sie gefunden hatte, brach sie in Tränen aus. All ihre verdrängten Gefühle brachen über sie herrein, als sie davon erzählte, wie sie sich einredete, dass es das Beste für ihren Mann sei zu sterben. Die Vorstellung ein Pflegefall zu sein, wenn er denn jemals wieder aufwachte... zu sehen, wie seine Frau ihr Leben für ihn weg warf, oder gar vor seinen Augen mit einem anderen Mann glücklich wurde? Das wollte sich Jessica nicht vorstellen und ihm ersparen. Aber vielleicht hätte er es ja ertragen. Er war so viel stärker als sie. Konnte sie wirklich von sich aus darauf schliessen, was für ihn gut war?
Margit, die damals in dem Krankenhaus ihren Mann pflegte hatte ihre letzten Zweifel zerstreut. Sie war davon überzeugt, dass das Koma nur Satans Art wäre, einer Seele den wohlverdienten Frieden zu verwehren... Wenn sich Jessica hier umsah, hatte sie vermutlich sogar recht...
Sie hatte Margit 50000 Euro versprochen, die die Krankenschwester damals wohl dringend gebraucht hätte, wenn sie ihren Mann von seinem Leid erlöste. Das Geld wollte sie aus der Lebensversicherungssumme bezahlen, sobald sie diese erhielt... doch daraus wurde nie etwas, denn Roswitha stand mit ihren dubiosen Anwälten schon bereit und riss den kompletten Nachlass, als auch die Lebensversicherung an sich. Wie das passieren konnte, war Jessica ein Rätsel. Laut ihrer Anwälte gab es nichts, was sie tun konnte... Ihr blieb nur der Salon, den sie von ihrem Mann zum Hochzeitstag bekommen hatte. Um ihre Schulden zu bezahlen verkaufte sie den Salon, verschwieg aber Margit, dass noch etwas Geld übrig war, welches sie dann in ihre eigene Kosmetiklinie steckte. Den Kontakt zu Margit mied sie, aus Angst man könnte darauf kommen, dass etwas am Tod ihres Mannes gedreht worden war... Irgendwann hatte sie komplett verdrängt, dass sie Margit noch Geld schuldete. Vor allem wofür...
Jessica wusste selbst nicht mehr, ob sie aus purem Egoismus; aus Verzweiflung, oder aus Liebe zu ihrem Mann Margit gebeten hatte sein Leid zu beenden...
Jemand legte ihr tröstend die Hand auf die Schulter. Nur am Rande nahm sie wahr, dass es dieser Oliver war, von dem sie zuvor keine sehr hohe Meinung gehabt hatte.
Die Ironie an dem Ganzen... sie hatte es schlussendlich auch ohne der Lebensversicherung geschafft aus den Schulden raus und wieder auf die Beine zu kommen. Aber Paul gab es nicht mehr...
Der Wiederling Thorsten lachte laut auf, erhob sich und ging auf Jessica zu, um ihr mitzuteilen, dass sie in seinen Augen die Einzigste in dem ganzen Haufen ist, die nichts falsch gemacht hatte! Jessica sah ihn verunsichert an und etwas tief in ihr wünschte sich, dass Paul vor ihr stehen würde und genau das zu ihr sagen... War er vielleicht Paul und spielte hier nur den Wiederling in der Maske eines Anderen? Es gab noch immer keine Verbindungen zu diesem Thorsten und hier war ja anscheinend alles möglich! Aber dass er Paul ist, wird wohl nur Wunschdenken sein...
Margit erzählte nun weiter. Paul war wohl nicht der einzigste Koma-Patient, den sie „erlöst“ hatte. Irgendwas von einem Tierpfleger, einer Frau im gelben Mantel und einem Elefanten erzählte sie, aber Jessica verlor den Faden. Zu aufgewühlt war sie im Kampf gegen ihre Tränen.



Die Prüfung
Kaum hatte Jessica sich halbwegs wieder gefangen und ihre Tränen getrocknet, war der Moment gekommen, vor dem sie sich am meisten gefürchtet hatte... Die Stimme aus dem Off verkündete „Kandidat Jessica; Kandidat Margit – Ins Prüfungszimmer!“
Prüfungszimmer? Es hiess bisher doch immer Sprechzimmer? Warum auf einmal Prüfungszimmer? Irgendetwas würde anders laufen, da war sich Jessica sicher... und das, wo sie sich so sehr mit dem Gedanken getröstet hatte, dass das, was die Anderen erlebt hatten nichts weiter als Rettungs- und Wiederbelebungsversuche waren. Was würde auf Margit und sie nun warten?
Vorsichtig betraten beide das Zimmer. Da war ein Tisch und zwei überdimensionierte schwarze Stühle. Noch ehe sie Gelegenheit hatten sich mehr umzusehen, wurde ihnen Schwarz vor Augen und sie verloren das Bewusstsein.
Im nächsten Moment sass Jessica scheinbar auf einem der Stühle. Es war dunkel, denn sie trug eine Augenbinde. Irgendetwas lag eng um ihren Hals und sie spürte, dass ein Seil um ihren Bauch sie am Stuhl fixierte. Das Holz des Stuhls war wohl schlecht verarbeitet. Es kratzte fürchterlich... Das würde Laufmaschen geben, war ihr erster Gedanke. Der Zweite galt dem seltsamen Gefühl in ihren Armen. Diese lagen wohl auf dem Tisch und fühlten sich eigenartig schwer und irgendwie auch klebrig an. Ein Teil von ihr weigerte sich zu versuchen ihre Hände zu bewegen.
„Kandidat Jessica; Kandidat Margit; Ihr seid auf Stühlen gefesselt. Wenn ihr versucht Euch der Prüfung zu entziehen, oder zu verweigern, wird sich ein Bohrer von unten durch das Holz in Euere Körper langsam hinein bohren und töten!“
Jessica war wie erstarrt... welches kranke Hirn dachte sich denn soetwas aus?!
„Kandidat Jessica; vor dir liegen fünf Garnelen, die Du mit dem Mund aufnehmen und essen wirst. Kandidat Margit wird dich dazu dirigieren.“
Garnelen? Das war doch garnicht schlimm? Das sollte die Prüfung sein? Jessica wagte es nicht, sich zu früh zu freuen und wartete auf den Haken, den ihr Margit auch sogleich mitteilte...
„Ich werde dich dirigieren, aber ich sage dir die Wahrheit... Das sind keine Garnelen! Vor dir liegt eine menschliche Hand...“
Jessica drehte es den Magen um. Sie konnte doch keine menschliche Hand essen!
Margit war der Meinung, dass sie das nicht tun müsste. Sie war bereit zu sterben, wenn Jessica es auch war.
Offensichtlich zögerten sie zu lange, denn Jessica hörte einen Bohrer, der sich in Holz vorarbeitete. An ihrem eigenen Stuhl tat sich nichts, doch Margit fing an panisch zu werden! Dennoch schrie sie immerwieder, dass Jessica das nicht tun müsste. Sie war bereit zu sterben!
Jessica wurde nervös... Sie war gerade am Höhepunkt ihrer Karriere! Sie wollte noch nicht sterben... Aber wenn sie mit ihren Befürchtungen recht hatte? Konnte sie damit noch leben?
Der Bohrer wurde durchdringender und das Schreien von Margit lauter. Jessica wusste nicht, was passierte und versuchte von Margit zu erfahren, ob noch alles in Ordnung sei, aber hörte nur ihre Schreie.
Dann schrie Jessica, sie würde es tun! Sie soll sie anleiten, wo die verdammte Hand liegt!
Der Bohrer verstummte. Mit zittriger Stimme dirigierte Margit Jessica zu der Hand, deren Finger sie essen sollte. Irgendwie bekam sie aber keinen der Finger in den Mund. Sie spürte etwas wiederlich glitschiges an Nase und Kinn... War das am Ende auch noch eine verweste Hand?! So wie der Fisch zum Frühstück? Oder die schwarzen Eier Tags zuvor?!
Jessica schaffte es nicht sich zu überwinden und Margit bestätigte erneut, dass sie es nicht tun müsste.
Dann richtete Jessica sich vorsichtig etwas auf und wollte wissen, ob sie vorher eine Frage stellen dürfte. Die Bitte wurde ihr von der Stimme aus dem Off gewährt.
„Wenn ich wieder aufwache... werde ich dann entstellt sein?“ presste Jessica hervor.
Die Stimme aus dem Off fauchte sie wütend an und beschimpfte sie - Margit und Jessica, oder gar die ganze Menschheit? - als oberflächliche Kreaturen, denen nur die Äusserlichkeiten wichtig waren!
Der Bohrer setzte wieder ein, aber diesmal nicht nur bei Margit! Auch durch Jessicas Stuhl arbeitete sich das totbringende Instrument, dennoch brachte sie es nicht fertig die Finger zu essen und war bereit für den Tod. Genauso wie Margit hoffte sie, dass es schnell zu Ende gehen würde... Bevor der Bohrer sie erreichte, wurde es Jessica wieder schwarz vor Augen...


Spürst du die Macht in deinen Händen?
Countdown - 4 Stunden

to be continued

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Re: AEOM - Jessica Merger (der Roman ;O) )

Beitragvon RespawnLARPer » Di 16. Feb 2016, 11:04

Spürst du die Macht in deinen Händen?
Hast du dein Herz ganz fest im Griff?
Und spürst du die Nacht in deiner Seele?
Hast du die Welt in deinem Kopf
[Oomph!-Fieber]


Der Schmerz explodierte in Jessicas Armen und riss sie aus der Dunkelheit zurück... am Rande nahm sie Margits Schluchtzen wahr. Beide fanden sich am Boden des Speisesaals wieder. Jessicas Verstand wollte sich dem verweigern, was sie sah... sie wollte Schreien, doch der Schock liess nur einen verkümmerten Laut und leises Wimmern über ihre Lippen kommen.
Blut... so viel Blut... Da wo ihre Hände hätten sein sollen, befanden sich, in blutige Leinen gewickelte, Stümpfe. Margit war es nicht viel anders ergangen. Zwei der Kandidaten, die im Speisesaal sassen, sahen sie nur mit wenig Mitgefühl an. Jedem von diesen Kandidaten fehlte eine Hand, die sie wohl bei der Prüfung zuvor verloren hatten. Auf dem Tisch lagen abgetrennte Hände - falls jemand Hunger bekäme... - hörte Jessica die Stimme aus dem Off. Jessica und Margit waren beide Hände abgetrennt worden!
Das war zu viel für Jessicas Verstand, die nun zitternd versuchte sich aufzusetzten. Ihr war schwindelig und sie versuchte den Schmerz zu verdrängen, während sie gegen die Wand sank. Immerwieder versuchte sie sich einzureden, dass das alles nicht wirklich passierte. Das ist nicht real! Das passiert nicht! Das passiert nicht! betete sie wie ein Mantra vor sich hin.
Margit fing an ein religiöses Lied vor sich hin zu singen. Das war fast noch unerträglicher als der Schmerz und der Schock darüber beide Hände verloren zu haben... wahrscheinlich verliessen auch desshalb die anderen beiden Kandidaten den Raum!
Richard fand die beiden zurückgelassenen Frauen am Boden kauernd und wollte ihnen auf die Beine helfen, doch Jessica fühlte sich noch nicht in der Verfassung zu stehen.
Irgendetwas schnürte ihr noch immer den Hals zu und sie fragte Richard, was das sei. Nachdem er Jessicas Tränen mit einem Taschentuch getrocknet hatte und etwas ungeschickt ihre Nase geputzt, entfernte er ein Babylätzchen, das man ihr umgebunden hatte. Ein Text stand darauf, doch er wollte ihn nicht vorlesen und legte das Lätzchen so auf den Tisch, dass Jessica den Text auch nicht lesen konnte. Nur irgendein Spruch... Nichts Besonderes, hatte er ihr versichert.
Dann wollte er sehen, ob er etwas gegen die Schmerzen auftreiben konnte und versprach nur ganz kurz weg zu sein.
In der Zwischenzeit machte Jessica Margit Vorwürfe besser nie auf sie gehört zu haben. Tief in ihr drin, hegte sie seit Jahren ohnehin den Verdacht, dass Roswitha Margit angestiftet hatte Jessica zu beeinflussen, damit sie an die Lebensversicherung ran kam. Sicher wusste sie ganz genau, dass sie als Begünstigte irgendwo in diesem verfluchten Vertrag noch stand... War doch bequem... wenn es raus kommen sollte, dass Pauls Ableben kein unglücklicher Umstand und Begleiterscheinung des Komas war, würde der Verdacht auf Jessica gelenkt. Niemand käme auf Roswitha. Aber diesen Verdacht äusserte sie nicht laut. Ein Teil von ihr wusste auch genau, dass sie sich das so zurecht redete, um sich die Schuld an Pauls tot nicht eingestehen zu müssen.
Margit entgegnete ihr nur mit dünner Stimme, dass sie geglaubt habe, sie sei ihre Freundin...
Das versetzte Jessica einen unglaublichen Stich... Ja, sie hatte damals unglaublich viel Zeit mit Margit verbracht. Sich ihre Ansichten über das Koma und Satan angehört. Lange genug rumgedruckst, bis sie endlich Margit um ihre Hilfe bat Paul zu erlösen...
Und danach hatte sie sich nie wieder bei Margit gemeldet. Sie verabscheute sich gerade selbst dafür!
Lilly spazierte wieder durch die Gänge und betrat das Speisezimmer, wo sie sich die beiden jämmerlichen Figuren eindringlich ansah. In ihrem Gesicht war nicht abzulesen, ob sie Mitleid hatte, oder sie sich darüber freute, was den Frauen angetan worden war.
Langsam nahm Lilly das Babylätzchen in ihre Hände; faltete es auf und betrachtete den Text. Dann sah sie Jessica an und legte das Lätzchen wieder auf den Tisch, um kurz darauf wieder zu verschwinden. „Eat the rich“ war darauf in grossen Lettern geschrieben...
Sollte Jessica am Ende ihre eigene Hand essen?! Ihr drehte sich der Magen um... Allerdings sah keine der Hände auf dem Tisch nach zarten Frauenhänden aus...
Richard kam zurück mit jeweils einer Tablette, von der er hoffte, dass sie den Frauen helfen würde. Vorsichtig half er ihnen die Tablette mit etwas Wasser runter zu schlucken. Jessica war diese Hilflosigkeit furchtbar unangenehm. Zu viel Wasser wollte sie nicht trinken. Sie hatte Angst vor dem Moment Hilfe zu brauchen, wenn sie auf die Toilette musste...
Richard meinte zwar, er würde helfen den Deckel hochzuklappen, vielleicht auch beim aufknöpfen der Hose, ihnen aber den Rest alleine überlassen. Jessica verkniff es sich darauf hinzuweisen, dass es damit leider nicht getan sein wird... und dann fing sie an hysterisch zu Lachen, denn ihr war eingefallen, wie sie sich am Morgen noch über den abgebrochenen Fingernagel aufgeregt hatte!
Richard hielt es nun für besser, wenn die beiden Frauen nach oben zu den Anderen in den Aufenthaltsraum kämen und nicht alleine hier rum sassen. Jessica wollte sich aber den Blicken der Anderen nicht aussetzen, woraufhin Richard ihre blutigen Stümpfe zusätzlich in ein Handtuch wickelte. Damit war sie nicht mehr ganz so auf dem Präsentierteller und war einverstanden zu versuchen nach oben zu gehen.
Margit schien es weniger auszumachen, oder war zu sehr mit sich selbst beschäftigt.
Als sie vorsichtig die Treppe Stufe für Stufe erklomm, bemerkte Jessica den Rest ihres Fingernagels auf halben Weg nach oben, was erneut zu einem unschönen Lachanfall führte, ehe sie es schaffte weiter zu gehen.
Im Aufenthaltsraum schien alles so zu sein, wie es war, bevor Jessica in das Prüfungszimmer musste. Nach wie vor erzählten die anderen Kandidaten ihre Geschichte. Aber an Jessica ging das alles vorbei. Sie sass auf ihrem Stuhl und ergoss sich in Selbstmitleid. Zumindest die Schmerzen liessen langsam nach, aber sie fiel in eine tiefe Depression.
Richard schenkte ihr eine Cola ein und gab ihr etwas davon zu trinken, dann rief die Stimme aus dem Off zum Mittagessen. Doch weder Margit, noch Jessica hatten sonderlichen Appetit und blieben nahezu reglos sitzen, während der Aufenthaltsraum sich leerte.
Richard fragte, ob er ihnen etwas mitbringen solle. Jessica schüttelte nur stumm den Kopf.
Dieser geisterhafte Arzt drehte wieder seine Runde. Er schien sich nun Margit genauer anzusehen. Einige Stunden zuvor hatte Jessica beobachten können, wie er Larissa scheinbar ein paar Scherben aus der Schulter zog. Sie versuchte ihn etwas zu fragen, aber er reagierte überhauptnicht auf sie.
Auch diesmal schien er sich nicht für Jessica zu interessieren und verschwand wieder, nachdem er Margits Untersuchung anscheinend abgeschlossen hatte.
Dafür tauchte nun Erzfeindin Simone in Begleitung von Noah auf. Jessica nahm nur am Rande wahr, dass die Beiden sich neben sie gesetzt hatten und leise tuschelten. Kicherten sie auch, während sie immer wieder Jessica ansahen? Unwichtig... Jessica war es egal. Alles war ihr egal! Sie merkte nicht mal, dass ihr Oberkörper in ein unablässiges vor und zurück wiegen gefallen war.
Der unschuldige Ex-Häftling Oliver riss sie aus ihrer Lethargie. Er war der Ansicht, dass Margit und Jessica etwas essen müssten und hatte beiden einen Teller mit Eintopf und Würstchen mitgebracht.
Jessica erschrak zunächst, da sie die Würstchen für Finger hielt und verweigerte das Essen. Aber Oliver blieb geduldig und hartknäckig. Zeigte Jessica, dass es ganz normale Würstchen waren.
Schliesslich liess sich Jessica von ihm füttern, wenngleich die Situation für sie unglaublich demütigend war. Vor allem, weil es ihr nicht gelang ganz ohne zu kleckern auszukommen und Oliver ihr die Mundwinkel und Kinn immer wieder säubern musste...
Wieder wurden drei Kandidaten ins Prüfungszimmer gerufen. Darunter Angel „Maya böse“, ihr bester Freund, der mit dem Leben nicht klar kam und die Telefonseelsorge-Tante, die mit ihren eigenen Problemen überfordert, sowie genervt von den Suizidgedanken ihres Anrufers war, worauf sie ihm riet sich doch umzubringen! Sehr Professionell...
Währenddessen ging die Geschichtenerzählerei in die finale Runde. Jessica hatte völlig den Anschluss verloren. Doch nun war als letzter Kandidat, zu dem jegliche Verbindung fehlte, der Wiederling Thorsten übrig geblieben. Dieser thronte selbstgefällig auf seinem Stuhl und betrachtete die Anderen geringschätzig, ehe er die Bombe platzen liess...
Sein wahrer Name war Ty und hatte die Identität und Aussehen eines Anderen angenommen; irgendein Unterwelts-Boss, von dem Jessica noch nie etwas gehört hatte. Sie verkehrte allerdings auch nicht in solchen Kreisen. Der Immobilienmakler hingegen wohl schon... Und auch Svenja schien auf einer sehr privaten Schiene mit diesem Ty in Kontakt gestanden zu haben... Ty schien nun den ganzen Raum für sich einzunehmen und herrschte Svenja an; verhöhnte Andere und machte mit seinem Verhalten Jessica Angst... Es ging in seiner Geschichte um Drogen, Gewalt und natürlich um Geld.
Der Aufruf „Alle Kandidaten SOFORT ins Prüfungszimmer!“ rettete die Situation, bevor es erneut zu Eskalationen kommen konnte.
Jessica ging es mittlerweilen garnicht gut und schlurfte den Anderen eher wie ferngesteuert nach.
Jeder Schritt fiel ihr schwer, denn sie hatte unglaubliche Angst das Prüfungszimmer erneut zu betreten. Als sie die überdimensionierten, schwarzen Stühle bemerkte, lief es ihr eiskalt den Rücken hinunter. Aber diesmal sassen bereits Kandidaten auf den Stühlen. Es waren Angel und diese Seelsorgentante. Beide mit irgendwelchen Elektroden verkabelt. Dazwischen sass dieser... wie hiess er noch gleich? Der beste Freund von Angel, der sie und sich selbst umbringen wollte? Jessica hatte Schwierigkeiten sich zu konzentrieren. Schwierigkeiten ihre Augen auf zu halten. Till! Ja so war sein Name! Dieser Till sass gefesselt und geknebelt zwischen den beiden Frauen.
Alle anderen Kandidaten sollten hinter einer Absperrung dem seltsamen Frage/Antwort-Spiel, das nun folgte, beiwohnen. Die Seelsorgtante... Nelly? Sie sollte Fragen an Angel stellen. Doch die Stimme aus dem Off akzeptierte nur ganz spezielle Fragen. Bei jeder falsch formulierten Frage wurde Nelly mit Stromschlägen bestraft... Genauso wie Angel für jede falsche Antwort auf die Fragen bestraft wurde. Fatalerweise schien sie die richtigen Antworten nicht zu kennen, nicht nennen zu wollen, oder verdrängt zu haben.
Jessica hatte sich auf den Boden gesetzt, da ihr die Kraft fehlte auf den Beinen zu bleiben. Larissa sass gleich neben ihr. Diese Fragerei zog sich unglaublich lange hin und mittlerweilen durften alle Kandidaten Fragen stellen. Für jede falsche Frage wurde Nelly bestraft... Schien aber Einige garnicht zu stören und auch Jessica gewöhnte sich langsam an Nellys Schreie...
Warum sagte diese Angel auch nicht endlich was Sache ist, an statt von irgendwelchen obscuren magischen Fähigkeiten zu faseln, die sie angeblich zu haben glaubt. „Falsche Antwort!“ kam darauf in monotoner, gefühlloser Stimme zurück, gefolgt von einem Schmerzensschrei.
Stück für Stück tasteten sie sich an die richtigen Fragen und Antworten...
Ein Autounfall... Absichtlich verursacht von Angel, als sie Till in`s Lenkrad griff. Sie waren auf dem Weg zur Aufzeichnung des Unterhaltungsformats und rasten in eine Menschenmenge for dem Studio...
Damit schien sich die Stimme aus dem „Off“ zufrieden zu geben und entliess alle wieder aus dem Sprechzimmer.
Jessica musste leise lachen. Verblüfft darüber, dass sie wenige Stunden zuvor aus reinem Scherz geäussert hatte, dass Angel dann wohl den Autounfall verursacht haben wird... Erlebte sie das hier gerade wirklich? Oder was war das für eine Tablette, die ihr Richard gegeben hatte?!
Eines machte keinen Sinn... Wenn sie alle zu dieser Show unterwegs waren und nun bewusstlos am Unfallort lagen... Der Unfall, den Angel verursacht haben soll... Warum hatte die „reale“ Show ausgerechnet Teilnehmer eingeladen, die alle mit ihrem Schicksal verbunden waren?
Gab es überhaupt jemals so eine Show? Hatte Angel wirklich nur diesen einen Unfall verursacht, oder war das auch wieder nur so ein symbolisches Artefakt?
Darüber nachzudenken bereitete Jessica Kopfschmerzen. Zusätzlich zu den Phantomschmerzen in ihren Händen...
Im Aufenthaltsraum war sie auf einer Couch zusammengesunken und bekam alles um sie herum nur noch Bruchstückhaft mit.
Irgendwelche Zahlen waren auf dem Boden aufgetaucht. Wohl 28 Ziffern. Die gleiche Anzahl wie Kandidaten. Es wurde um irgendeine Reihenfolge gestritten und diese Lilly tauchte wieder auf. Mit einem Messer...
„Ihr müsst Euch vergeben“ seuselte sie. „Ihr müsst sterben, um zu leben!“
Was sollte das denn nun wieder heissen? Die Anderen waren der Ansicht, dass sie sich in einer bestimmten Reihenfolge mit diesem Messer töten mussten, um wieder in die Realität zurück zu gelangen...
Verflucht! Was war das für eine Tablette?! Jessica hatte in ihrem Leben noch nie Drogen genommen. Fühlte sich so ein Horrortrip an???
Der Arzt tauchte immer häufiger auf und behandelte Kandidaten.
Jessica wollte nicht sterben, aber sie hatte auch keinen grossen Überlebenswillen mehr, seit sie die Nacht durch Wache gehalten hatte und sie bei der Prüfung schliesslich beide Hände verloren hat. Ihr Verdacht... sie liegt am Unfallort und hat wirklich ihre Hände verloren! Vielleicht waren sie ja nur eingeklemmt und der Schmerz drang zu ihrem Unterbewusstsein und formte jetzt dieses abstruse Bild ihrer abgetrennten Hände...
Aber dann passierte etwas, was Jessica in blankes Entsetzen versetzte! Einer der Schaulustigen tauchte wieder auf. Jedenfalls hielt sie ihn für einen jener Schaulustigen... Es blitzte! Was war das?! Schon wieder! Und immer öfter! Direkt vor Jessica blitzte es immer wieder auf! Und dann erkannte sie den Fotoaparat in den Händen des Schaulustigen; oder eher den Händen des Paparazzos....
Er konnte garnicht genug davon bekommen sie abzulichten! Jessica konnte die Schlagzeilen schon förmlich vor ihr sehen, auf denen sie mit blutigen Armstümpfen abgelichtet war... Hastig sprang sie auf und floh vor dem Paparazzo. Floh vor der ganzen Situation! Rannte einfach weg und fand sich wieder vor ihrem provisorisch eingerichteten Schminktisch. All die Tigelchen und verschiedenen Kosmetikpinsel...
Niedergeschlagen setzte sie sich an den Tisch. In der Vergangenheit war das ihr sicherer Ort. Der Ort, an dem sie zu sich fand und neue Kraft schöpfen konnte. Doch nun war sie nicht mehr in der Lage ihr Ritual durchzuführen. Dazu verdammt im Spiegel die Frau zu sehen, die sie war. Mutlos; kraftlos; erschöpft und auf den guten Willen Anderer angewiesen.
All ihre wunderschönen Hochglanz-Flyer zu ihren Produkten gaukelten eine Lebensfreude wieder, die sie im Grunde seit dem Tod ihres Mannes nicht mehr empfunden hatte. Sie hatte sich in ihre Kosmetiklinie, dem Glanz und dem Glamour hineingesteigert, um sich eine heile Welt zu erschaffen.
Niedergeschlagen beobachtete sie im Spiegel ihre Tränen, die es nicht vermochten ihr professionelles wasserfestes Makeup auch nur Ansatzweise zu verschmieren. In dem Moment hasste sie diese Maske vor ihr und empfand es auch nicht mehr als Teil von ihr.
Ein zweites Gesicht tauchte hinter ihr auf. Es war Noah. Was wollte der denn hier? Seit er ihr den Weg zu den abgeklebten Kameras versperrt hatte, war sie ihm aus dem Weg gegangen. Ganz taufrisch wirkte er auch nicht mehr. Ständig zuckten seine Gesichtsmuskeln und sein Kopf.
Jessica wollte ihn ignorieren, aber pausenlos sprach er sie mit Noah an und sie solle doch hoch kommen zu den anderen Noahs...
Noah hatte offensichtlich noch schlimmer den Verstand verloren, als sie selbst. Sie wollte einfach nur ihre Ruhe und damit klar kommen, dass ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt worden war... Wahrscheinlich in wenigen Minuten sogar beendet, denn der Countdown war fast abgelaufen.
Der Zeitpunkt, von dem Jessica mittlerweilen fest überzeugt war zu sterben.
Noah verliess das Zimmer, als er bei Jessica nicht erreichte und meinte er holt ein paar andere Noahs, um sie zu überzeugen nach oben zu kommen.
Erschienen war wenig später aber dieser gesichtslose Arzt. Wortlos stand er hinter ihr und zog ein paar frische Handschuhe an.
Jessica wagte es kaum zu sprechen, dennoch fasste sie sich ein Herz, indem sie ihn mit dünner Stimme fragte, ob er ihr helfen könne...
Sie streckte ihm ihre abgebundenen Armstümpfe entgegen und wollte wissen, ob ihre Hände zu retten sind. Sie bekam keine Antwort. Nur ein nachdenkliches Nicken. Dann folgte sie ihm mutlos nach oben zu den Anderen.
Anscheinend haben sich die anderen Kandidaten auf eine Reihenfolge geeinigt, in der sie sich „vergeben“ wollten.
Die ganze Situation war völlig absurd! Erst hatten alle Jessicas Theorie ewig nicht geglaubt, weil es deren Ansicht nach blanker Unsinn sei... und jetzt dachten sie, wenn sie sich gegenseitig ein Messer durch die Kehle zogen, dass sie überleben würden?!
Drück mir die Klinge an den Hals...
echote es in ihren Gedanken. Ein Liedtext, den sie im Auto des Taxifahrers gehört hatte. Absolut nicht ihre Musik und hatte sie auch fürchterlich genervt...
Sie drehte durch! Das war es! Sie drehte schlichtweg durch!!!
Die anderen metzelten munter drauf los. Irgendjemand schrie laut auf, dass es die falsche Reihenfolge wäre!
Jessica war es egal. Sie hatte jeglichen Überlebenswillen verloren.
Der Arzt tauchte wieder auf und diesmal konnte sie ihn hören! Genauso wie laute Sirenen und panische Schreie!
„Sie müssen kämpfen, wenn sie überleben wollen!“
Doch Jessica hatte keine Kraft mehr zu kämpfen... Sie hatte ja noch nicht mal mehr Hände um das Messer aufzunehmen und ihren Kampfgeist unter Beweise zu stellen!
Jessica verlor den Kampf, noch ehe sie ihn auch nur hätte aufnehmen können, denn der Countdown war abgelaufen...

Drück mir die Klinge an den Hals...
Drück mir die Klinge an den Hals...
Drück mir die Klinge an den Hals...
Bis ich - bis ich - bis ich dich überleben kann !
[Oomph!-Fieber]

http://www.youtube.com/watch?v=47pfQI9VXVE

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